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Thementalk – Natur & Umwelt

Wie Landwirt:innen Natur schützen und Artenvielfalt fördern
Landwirtschaft als Schlüssel Mehr als 80 % der Bevölkerung* sehen Landwirtschaft als entscheidend für den Schutz von Natur und Ressourcen.
Erfahrungen aus der Praxis Charlotte Schumacher und Jochen Kanders zeigen auf ihren Höfen, wie Landwirtschaft und Artenvielfalt zusammengehen können.
Mut zu neuen Wegen Ob Aroniabeeren, FINKA-Projekt oder Blühpatenschaften – beide Landwirt:innen setzen auf Ideen, die Natur und Ernährung verbinden.

Wie kann moderne Landwirtschaft zur Förderung von Natur und Umwelt beitragen? Viele Landwirt:innen zeigen heute, dass sich ertragreiche Produktion und Artenvielfalt durchaus verbinden lassen. Mit frischen Ideen und viel Engagement gestalten sie den Wandel auf ihren Höfen. Im zweiten ThemenTalk Zukunftsfelder des Forum Moderne Landwirtschaft, gaben die Landwirtin Charlotte Schumacher aus Niedersachsen und der Landwirt Jochen Kanders aus Nordrhein-Westfalen spannende Einblicke in ihre Praxis — und machten Mut für neue Ansätze.

Landwirtschaft als Schlüssel zum Ressourcenschutz

Mehr als 80 Prozent der Bevölkerung sehen Landwirtschaft als entscheidend für den Schutz natürlicher Ressourcen. Und über 90 Prozent erwarten, dass Landwirte gleichermaßen für Ernährungssicherung und Naturschutz sorgen. (Quelle: Civey-Umfrage Kompass Natur & Artenvielfalt 2025 )

Wie das gelingen kann, zeigten Schumacher und Kanders in eindrucksvollen Beispielen. „Ich finde es sehr wichtig, einfach auch den Mut zu bekommen, Dinge mal zu testen. Und wenn es Projekte gibt, die das wissenschaftlich belegen oder begleiten, ist das für uns umso wertvoller,“ sagt Charlotte Schumacher.

Mit Aroniabeeren und Biodiversitätsflächen die Natur stärken

Charlotte Schumacher bewirtschaftet gemeinsam mit ihren Eltern einen Ackerbaubetrieb nahe Hannover. Neben klassischen Kulturen wie Weizen, Raps oder Zuckerrüben setzt sie auf eine besondere Nische: den Anbau von Aroniabeeren. „Ich wollte einfach ein bisschen mehr Wertschöpfung auf unseren Betrieb holen. Und ich finde es spannend, da gesunde Produkte zu produzieren,“ erzählt Schumacher. Aus einem Hektar Aronia produziert sie Saft, Sirup, Senf und getrocknete Beeren.

Charlotte Schumacher teilt ihre Erfahrungen im FINKA-Projekt mit anderen Landwirt:innen

Zudem engagiert sich Charlotte Schumacher im FINKA-Projekt (Förderung von Insekten im Ackerbau), bei dem konventionelle und ökologische Betriebe die Biodiversität auf Ackerflächen gezielt fördern. Auf einer zwei Hektar großen Fläche verzichtet ihr Betrieb komplett auf Insektizide und Herbizide.

Erste Erfahrungen zeigen: Weniger Pflanzenschutz ist möglich, wenn man bereit ist, mehr Kräuter und Wildpflanzen im Bestand zu tolerieren. „Es war spannend zu sehen: Über alle Kulturen hinweg waren die Erträge auf unserer Versuchsfläche stabil – auch ohne Insektizide“, berichtet Schumacher. Zudem beobachtet sie: „Es blüht mehr und dadurch sind natürlich auch mehr Insekten unterwegs.“ Das zeigt, dass Biodiversitätsförderung und Wirtschaftlichkeit kein Widerspruch sein müssen.

Blühpatenschaften als Erfolgsmodell

Jochen Kanders hat seinen Betrieb bei Düsseldorf grundlegend umgestellt. Früher gab es Mastschweine und Milchkühe – heute prägen Biogasanlage, Photovoltaik, Forstwirtschaft und Ackerbau den Hof.

Sein Herzstück sind die WellBee-Blühpatenschaften: Auf derzeit 3,8 Hektar wachsen artenreiche Bienenweiden mit rund 50 Wildblumen- und 15 Kulturarten. Diese Flächen verpachtet Kanders in kleinen Einheiten an Privatpersonen und Unternehmen, die sich für den Erhalt der Biodiversität engagieren möchten.

Jochen Kanders bietet für Unternehmen WellBee-Patenschaften für Bienenweiden

Das Modell ist einfach: Ab einer Fläche von 100 Quadratmetern können Interessierte Patenschaften übernehmen. Im Gegenzug erhalten sie regelmäßig Fotos der Blühentwicklung per E-Mail oder WhatsApp, den genauen Standort der Fläche für persönliche Besuche und auf Wunsch ein Zertifikat zum Verschenken oder zur Verwendung als Nachhaltigkeitsnachweis.

Zudem bietet Kanders jährlich einen Blühpatentag an: „Da lade ich alle offiziell ein, sich die Fläche anzusehen und gemeinsam mehr über die ökologische Wirkung zu erfahren,“ berichtet er. Dass die Bienenweiden tatsächlich wirken, hat ein ehrenamtlicher Insektenforscher belegt: „Am Ende standen 520 Arten auf der Liste. Das hat sogar mich überrascht,“ erzählt Kanders. Darunter befanden sich 36 Wildbienenarten, neun davon auf der Roten Liste.

Doch die Umsetzung verlangt Engagement: „Ich muss jeden Tag aufs Neue verkaufen, mich präsentieren, dokumentieren, mit den Kunden in Kontakt treten. Das ist nichts, was für jeden Betrieb umsetzbar ist,“ beschreibt Kanders.

Herausforderungen und Chancen

Beide Landwirte betonen: Weniger Bürokratie und praxisnahe Förderprogramme wären große Hebel, um mehr Landwirt:innen für solche Maßnahmen zu gewinnen. Schumacher wünscht sich „weniger Ideologie und langfristigere Maßnahmen für mehr Planungssicherheit“. Kanders ergänzt: „Die Bauern sind die letzten, die sich ein gutes Geschäft entgehen lassen würden – wenn die Politik bereit ist, Biodiversität fair zu fördern.“

Zudem sei es entscheidend, dass Verbraucher:innen mehr Wertschätzung für regional erzeugte Lebensmittel entwickeln. Schumacher wünscht sich „mehr Achtung vorm Eigentum und schonender Umgang mit der Natur – gerade bei der Freizeitnutzung.“

Fazit: Vielfalt als Erfolgsfaktor

Das Gespräch zeigt eindrucksvoll: Es gibt nicht die eine Lösung für mehr Natur- und Umweltschutz in der Landwirtschaft. Jeder Betrieb kann eigene Wege finden – ob mit besonderen Kulturen, Biodiversitätsflächen oder innovativen Geschäftsmodellen wie Blühpatenschaften.

Was es dafür braucht? Offenheit, Mut zum Ausprobieren und politische Rahmenbedingungen, die diese Vielfalt unterstützen.

*Laut Civey-Umfrage „Kompass Natur- und Artenvielfalt 2025“

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