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Von Direktsaat bis Agri-Photovoltaik

Hofgut Dettenberg: Von Direktsaat bis Agri-Photovoltaik
Boden neu gedacht Mit Direktsaat, Humusaufbau und Mischkulturen setzt Familie Keppler auf Methoden der regenerativen Landwirtschaft.
Nichts geht verloren Vom Ei über Nudeln und Eierlikör bis hin zu Suppenhuhn und Brühe – auf dem Hofgut Dettenberg wird rund um die Legehennen alles verwertet.
Energie, die doppelt wirkt Im Hühnerauslauf produziert eine Agri-PV-Anlage Strom und spendet den Tieren gleichzeitig Schutz.

Ob bei der Freiland-Hühnerhaltung, der Bewirtschaftung der Felder oder der Erzeugung von Energie: Auf Hofgut Dettenberg wird naturnah, sinnvoll und vielseitig gearbeitet

Patricia Kepplers Abitur war so gut, dass die heute Dreißigjährige ein Medizinstudium begann. Doch nach drei Semestern stellte die Mutter von drei Kindern fest, dass ihr etwas Entscheidendes fehlte: Die Landwirtschaft. Aufgewachsen auf dem Hofgut Dettenberg im oberschwäbischen Uttenweiler, welches ihr Großvater Ende der Achtziger Jahre von Thurn und Taxis gekauft hatte, schwenkte die damalige Studentin um und absolvierte ihren Master of Science in Agrarwirtschaft.

„Wir gehen unkonventionelle Wege und schauen über den Tellerrand hinaus.“

Seit fünf Jahren leitet die Agrarwissenschaftlerin nun gemeinsam mit ihrem Mann Linus und ihren Eltern Katja und Klaus den rund 150 Hektar großen Betrieb, auf dem klassische Kulturen wie Weizen, Gerste aber auch Sonnenblumen angebaut und rund 4.800 Legehennen im Freiland gehalten werden.

Hofgut Dettenberg ist vielfältig aufgestellt. Foto: Hofgut Dettenberg

Verzicht auf Bodenbearbeitung hält den Boden gesund

Zu den Besonderheiten des Hofguts zählt die Direktsaat. „Mein Vater hat sich schon vor 30 Jahren entschieden, auf intensive Bodenbearbeitung zu verzichten“, erzählt die studierte Landwirtin. Stattdessen bringt die Familie das Saatgut mit einer speziellen Sämaschine in den Boden ein und sorgt mit einer ausgeklügelten Fruchtfolge dafür, dass auf den Feldern das ganze Jahr über Pflanzen mit ihren Wurzeln sowie Erntereste den Bodenlebewesen zur Verfügung stehen. „So haben wir allein im Laufe der vergangenen sechs Jahre nachweislich rund ein Prozent mehr Humus aufgebaut“, erklärt Patricia Keppler. Damit nicht genug. Die Pflanzenbestände sind gesünder. Es wird weniger Pflanzenschutz benötigt, und die Böden können besser Wasser speichern.

Um den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln noch weiter zu reduzieren, experimentieren die Kepplers mit Pflanzengesellschaften: „Auf dem Sonnenblumenfeld säen wir zwischen den Blumenreihen Kresse und Klee an, sodass Unkräuter unterdrückt und Schneckenbefall vermieden wird“, beschreibt die Landwirtin. Auch in Sachen Düngung will der Betrieb zukünftig auf CULTAN-Düngung setzen. Bei dem Verfahren (Controlled Uptake Long Term Ammonium Nutrition) wird eine flüssige Stickstofflösung nach der Aussaat direkt in den Wurzelbereich der Pflanzen gespritzt. Der Mehrwert: Die Ammoniumdüngerlösung kann beim Wachstumsprozess der Pflanze komplett verwertet werden. Ein Stickstoffverlust durch Auswaschung erfolgt kaum.

Vollständige Verwertungen sorgen für geschlossene Kreise

Eine weitere Komplettverwertung betreibt die Familie Keppler auch bei ihren Legehennen, die bis zu 115.000 Eier pro Monat liefern. „Die Eier vermarkten wir direkt. Eier, die angerissen oder verdreckt sind und nicht von der Kundschaft gekauft werden, verarbeiten wir zu Nudeln und zum Beispiel zu Eierlikör.“ Zur vollständigen Verwertung gehört auch die hofeigene Schlachtung der Hühner zu Suppenhühnern sowie die Herstellung von Hühnerbrühe.

Mit der Errichtung einer Agri-PV-Anlage im Hühnerauslauf im Rahmen eines Pilotprojektes des Landes Baden-Württemberg erhofft sich Familie Keppler Synergieeffekte für Tiere und Natur: „Die Hühner nutzen die Solarpaneele als Schutz vor Greifvögeln. Gleichzeitig wird auf den Wiesen erneuerbare Energie erzeugt – eine Win-Win Situation, ohne wertvolle Ackerfläche zu verlieren“, resümiert Patricia Keppler.

Foto: Familie Keppler

Die Erkenntnisse, die auf dem Hofgut Dettenberg gewonnen werden, möchte die Familie weitergeben. „Wir gehen unkonventionelle Wege und schauen über den Tellerrand hinaus. Gemachte Fehler und gewonnene Erkenntnisse haben unsere Wirtschaftsweise nachhaltiger gemacht, ohne dabei Ernteverluste hinnehmen zu müssen. Im Gegenteil“, schließt Patricia Keppler ab. „Landwirtschaft ist hoch komplex und kreativ. Natürlich ist Landbewirtschaftung ein Eingriff in die Natur. Aber mit Innovation können wir unsere Arbeit naturnah und nachhaltig bewältigen.“

Patricia Keppler und das Familienhofgut Dettenberg gewanndern den Sonderpreis Regenerative Landwirtschaft, der jährlich im Rahmen des Innovationspreises vom Forum Moderne Landwirtschaft und top agrar vergeben wird.

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