Transparenz zahlt sich aus. Das hat Familie Horn aus Nordrhein-Westfalen in den letzten Jahren erlebt.
Im kleinen Dorf Hörste am Fuße des Teutoburger Waldes steht Sebastian Horn am Zaun des 40.000 Quadratmeter großen Auslaufs seiner Legehennen. Von dort aus blickt er auf den neu erbauten Hühnerstall. Direkt daneben führt ein viel besuchter Wanderweg entlang.
„Wir wollen zeigen, was wir hier tun und warum.“
Familie Horn
Sebastian, 29 Jahre alt, ließ sich zum landwirtschaftlich-technischen Assistenten ausbilden, absolvierte das Praktische Jahr auf dem eigenen Hof und machte eine Fortbildung zum Agrarbetriebswirt. Das ist eine Art Meisterabschluss, der ihn auch berechtigt, auszubilden. Dabei ist Landwirtschaft in seiner Familie nicht Tradition, sondern Leidenschaft. Sein Vater, einst Schlosser, übernahm 1996 den Hof vom Onkel und baute ihn stetig aus.
Heute betreut die Familie 9.000 Hühner und bewirtschaftet 100 Hektar Ackerland, auf denen Gerste, Roggen, Körnermais, Weizen, Lupinen, Sonnenblumen und Hafer wachsen. Einen Teil des eigenen Getreides verwerten sie im Hühnerfutter: Zehn bis fünfzehn Hektar Weizen, 15 Hektar Mais, fünf Hektar Hafer, Lupinen und Sonnenblumen werden dafür benötigt. Täglich sammeln Förderbänder die frisch gelegten Eier ein, die anschließend von Hand verpackt und im Selbstbedienungs-Hofladen sowie in Supermärkten und an Gastronomien vermarktet oder über die Haustür-Tour direkt zu den Kunden nach Hause geliefert werden.
Kommunikation schafft Sympathien
Mit dem vor fünf Jahren neu erbauten Stall kam nicht nur mehr Platz für die Legehennen. Er war auch der Anstoß für etwas, das Familie Horn seither am Herzen liegt: den Dialog mit den Verbrauchern. Zur Eröffnung im Jahr 2021 stellten sie sich eine grundlegende Frage: Wie lässt sich Landwirtschaft wieder erlebbar machen? Ihre Antwort war ein Hoffest. Was zunächst als einmaliger Anlass gedacht war, hat sich längst zu einem festen Termin im Kalender der Region entwickelt. Rund 1.000 Besucher kommen inzwischen jedes Jahr, neugierig, staunend, oft überrascht davon, was moderne Landwirtschaft bedeutet. Im Mittelpunkt stehen Stallführungen, bei denen die Gäste hautnah erleben, wie ein Ei entsteht: Von der Herstellung des Futters über die Haltung der Hennen bis hin zum Verpacken der Eier. „Wir wollen zeigen, was wir hier tun und warum“, bringt es die Familie auf den Punkt.

Doch das Fest bietet noch mehr: Über 100 Oldtimer-Traktoren stehen neben moderner Landtechnik, Kinder graben Kartoffeln aus der Erde oder toben sich in Hüpf- und Strohburgen aus. 2023 sorgte ein Mais-Labyrinth direkt neben dem Stall für besonderes Staunen. Seit dem vergangenen Jahr ist sogar das Rote Kreuz mit seinem Blutspendemobil dabei. Das Hoffest ist zur kleinen Dorfveranstaltung mit echter Strahlkraft geworden.
Doch die Aufklärung endet nicht beim Hoffest. Im Frühsommer veranstalten die Horns Feldwanderungen, bei denen sie Fachthemen wie Bodenbearbeitung, Aussaat, Düngung und Pflanzenschutz erklären.
An ihren Feldrändern informieren selbst entworfene Schilder über Saatmengen, Erträge und Verwendungszwecke der jeweiligen Getreideart. Auf einem Demonstrations-Feld direkt gegenüber vom Hühnerstall hat die Familie jeweils einen Streifen jedes Getreides gesät, die sie genauso bewirtschaften wie die anderen Felder. Auch hier geben Erklärtafeln Auskunft über die einzelnen Getreidearten. Zusätzlich gibt es einen kleinen Stall mit Rassehühnern. „Das ist viel Arbeit, aber Kita- und Grundschulkinder lieben diese Angebote.“

10 Jahre AgrarScouts
Dialog lebt von Menschen
Als AgrarScout engagiert sich Sebastian Horn für offenen Austausch und mehr Verständnis rund um moderne Landwirtschaft. Seine Geschichte ist Teil von „10 Jahre AgrarScouts – Dialog lebt von Menschen“.
Seit zehn Jahren bringen AgrarScouts Landwirtschaft und Gesellschaft ins Gespräch.
Zum Jubiläum erzählen zehn AgrarScouts ihre persönlichen Geschichten und zeigen, wie Dialog Verständnis schafft.
Für Sebastian Horn war das Hoffest eine Art Initialzündung: „Hier können wir direkt mit den Verbrauchern sprechen, auch kritische Punkte diskutieren.“ Sein Engagement geht weiter. Als Teil der AgrarScouts, einer Gruppe von rund 800 jungen Landwirtinnen und Landwirten aus ganz Deutschland, erklärt er zum Beispiel auf der Grünen Woche Verbrauchern, wie moderne Landwirtschaft funktioniert. „Der Austausch mit so vielen motivierten Kollegen macht Spaß. Wir alle wollen eines: Die Landwirtschaft transparent machen, unseren Arbeitsalltag erklären und Verständnis schaffen.“
Für Sebastian Horn und seine Familie ist klar: Landwirtschaft heute bedeutet mehr als nur Trecker fahren. Es bedeutet Dialog, Offenheit und das Teilen ihrer Leidenschaft mit allen, die neugierig sind. So wächst nicht nur das Feld, sondern auch das Vertrauen.