Wer Landwirtschaft nur aus Social Media oder vom Supermarktregal kennt, sieht oft nur einen kleinen Ausschnitt der Realität. Beim Aktionstag „Landwirt für einen Tag“ tauschten drei bekannte Social-Media-Creators ihr gewohntes Umfeld gegen Gummistiefel und besuchten Höfe in NRW, Bayern und Brandenburg. Die Begegnungen hinterließen sichtlich Eindruck. Ihr Fazit: Moderne Landwirtschaft ist deutlich vielfältiger, technologischer und persönlicher, als viele vermuten.
„Moderne Landwirtschaft ist komplexer, technologischer und tiefgründiger, als es TikTok-Scroll und Supermarktregal vermuten lassen.“
Marlen Peters auf Hof Ferlemann – Respekt vor dem Schwein
Marlen Peters, bekannt als CEO of Millennials alias @marlybooo, fuhr nach Ladbergen in NRW, wo Landwirt Daniel Walgern (28) sie auf einem modernen Schweinehof traf. Die Journalistin und Content-Creatorin ist auf dem Land in Mecklenburg-Vorpommern aufgewachsen. Bauernhöfe sind ihr nicht fremd. Doch Hof Ferlemann überraschte sie: weitläufige Scheunen, moderne Ställe, kein beißender Geruch. Dass eine ausgeklügelte Belüftungsanlage frische Luft für die Tiere nach oben pumpt, hatte sie nicht erwartet.
„Tierhaltung ist ein zweischneidiges Messer. Aber Daniel macht einen guten Job, stellt sich den Diskussionen und will Fortschritt reinbringen.“
Marlen Peters

Daniel zeigte ihr frisch geborene Ferkel und erklärte, wie Schweine spielerisch über Knöpfedrücken mit ihrer Schnauze selbst Futter und Wasser abrufen können, ein System, das er selbst entwickelt hat. „Schweine überlappen zu 90 Prozent mit dem menschlichen Erbgut, sie sind neugierig, wollen beschäftigt sein und spielen“, erklärte der Landwirt und Erfinder. Auch eine Ultraschalluntersuchung an einem trächtigen Schwein gehörte zum Programm. Für Marlen, die auch als Marlybooo bekannt ist, ein absolutes Highlight.
Marlen, die selbst wenig Fleisch isst und häufig vegane Produkte kauft, zieht ein nachdenkliches Fazit: „Tierhaltung ist ein zweischneidiges Messer. Aber Daniel macht einen guten Job, stellt sich den Diskussionen und will Fortschritt reinbringen.“ Ihren Followern gab sie einen ungewöhnlichen Blick hinter die Kulissen eines Schweinehofs.

Dede in Brandenburg: Agroforst, Käfer und Traktorfahren
Hayngo-Demeilleur Okitapenge , auf TikTok und Instagram unter dem Namen Dede alias @dede2thetop bekannt, reiste mit seiner Familie nach Senftenberg in Brandenburg. Der Berliner Creator, der gesellschaftliche und politische Themen bespricht, traf dort Landwirt Thomas Domin und erlebte eine Welt, die ihm bisher völlig fremd war.

Thomas erklärte ihm das Prinzip des Agroforsts: Zwischen den Feldern gepflanzte Bäume und Hecken schützen den Boden vor Erosion und bieten gleichzeitig Wildtieren Unterschlupf. Aus dem Holz dieser Bäume baut Thomas selbst Möbel. Ein geschlossener Kreislauf. „Ich habe großen Respekt vor Thomas. Er verwendet alles, was er anbaut“, sagt Dede. Was ihn zusätzlich erstaunte: Das umfangreiche Insektenwissen zweier Hofmitarbeiter und wie einfach und spaßig Traktorfahren ist.
„Ich habe großen Respekt vor Thomas.“
Dede

Für Dede war der Ausflug auch ein Familienmoment: Seine Kinder berührten begeistert Käfer, Kräuter und Kühe. Sie vergaßen dabei für Stunden Fernseher und Handy. „In dem Moment habe ich mir überlegt, wie es sich anfühlen würde, selbst für eine Weile auf dem Land zu leben“, resümiert er nachdenklich. „Ich glaube, sehr gut“, lautete seine Einschätzung nach diesen Tag an frischer Luft und viel Natur.
Steffi Hübner im Allgäu: Hightech-Landwirtschaft und erneuerbare Energie
Steffi Hübner, die auf TikTok und Instagram (@steffi_h21) mit selbstgeschriebenen Sketchen Millionen zum Lachen bringt, fuhr ins Allgäu. Obwohl sie aus Oberfranken stammt und selbst auf einem Hof mit Milchkühen aufgewachsen ist, verschlug es ihr fast die Sprache: rund 1.000 Kühe, ein Melkkarussell, das sich quasi ununterbrochen dreht und dreimal täglich je 60 Tiere fasst, Photovoltaikanlagen auf jedem Dach und sechs Biogasanlagen.

„Landwirtschaft hat sich verändert. Tiere laufen heute frei in den Ställen, fossile Energien weichen Solar und Biogas, Fütterung und Stallreinigung übernehmen Roboter. Ich bin mir sicher, dass sich das noch weiter verändern wird.“
Steffi Hübner
Landwirt Johannes Kerler kam etwas später. Er hatte noch bei einer Kälbchengeburt geholfen. Dann führte er Steffi durch die modernen Laufställe, auf die Dächer der Biogasanlagen und in deren Steuerungsräume. Besonders beeindruckte sie, wie das erzeugte Biogas unterirdisch in die Häuser des Dorfs transportiert wird. „Irre, wie das funktioniert“, sagt sie.

Ihr Fazit ist klar: „Landwirtschaft hat sich verändert. Tiere laufen heute frei in den Ställen, fossile Energien weichen Solar und Biogas, Fütterung und Stallreinigung übernehmen Roboter. Ich bin mir sicher, dass sich das noch weiter verändern wird.“
Drei Creators, drei Höfe, drei Perspektiven und eine gemeinsame Erkenntnis: Moderne Landwirtschaft ist komplexer, technologischer und tiefgründiger, als es TikTok-Scroll und Supermarktregal vermuten lassen.
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