Alles begann mit einem Klönschnack, einem Gespräch, auf einer Geburtstagsfeier über neue, alternative Heizmethoden. Bis zum Jahr 2006 gehörten Robert Muus und Sohn Georg zu den Horsdorfern, die ihre Häuser mit Öl heizten. Einen Gasanschluss gab es in dem Dorf in Schleswig-Holstein nicht.
Heute beziehen fast alle 75 Haushalte von Horsdorf Wärme und Strom von der Firma Thermo Energie Muus GbR (TEM), dessen Geschäftsführer Georg Muus ist. Zwanzig Jahre ist es her, dass die Landwirtsfamilie zwei Holzhackschnitzel-Heizungen in Betrieb nahmen und neben ihrem Ackerbaubetrieb mit 400 Hektar Land, ein neues wirtschaftliches Standbein gründeten.
„Man ist völlig unabhängig von den Öl- und Gasmärkten.“
Georg Muus
So funktioniert das Nahwärmenetz
Landwirt Muus verlegte 2006 in Eigenregie von seinem neuen Heizkraftwerk zwei Rohrleitungen zu zwei weiteren Häusern in Horsdorf. Die Rohre waren für den Vor- und Rücklauf des erhitzten Wassers vorgesehen. Bei den Arbeiten kamen erste Nachbarn auf ihn zu und wollten sich ebenfalls an das Ökowärmenetz anschließen lassen. „Sie tauschten ihre Öltanks und Kessel gegen einen Wärmetauscher aus, der nicht größer als ein Kühlschrank ist“, erklärt Georg Muus. Der Wärmetauscher sorgt dafür, dass die Wärme des 80 Grad warmen Wassers in Wärme für Heizkörper umgewandelt wird. Über das Rücklaufrohr gelangt das Wasser zurück in die Holzschnitzelanlage, wo es wieder auf 80 Grad erhitzt wird. Ein effizienter, regenerativer Kreislauf.

Regionale Rohstoffe statt Heizöl
Befeuert wird die Holzschnitzelanlage mit den Stanzresten von Eisstielen, die in einer 10 Kilometer entfernten Fabrik produziert werden und mit dem Holz von Knicks. Das sind die linienförmigen Baumreihen, mit denen die Familie Muus ihre 400 Hektar Ackerflächen umgeben haben. „Diese werden regelmäßig herunter geschnitten. Insgesamt benötigen wir rund 2.500 Kubikmeter Holzschnitzel pro Jahr, um alle Häuser unserer Kunden mit Wärme zu versorgen“, sagt der Agrarwissenschaftler.
Umweltfreundlich und unabhängig
Aufgrund der Umstellung von Öl- auf Hackholzschnitzel-Heizung hat das ganze Dorf sogar einen Umweltpreis erhalten. Ein Erfolg in Zahlen: Würden die Horsdorfer weiterhin konventionell heizen, würden pro Jahr rund 135.000 Liter Heizöl verbraucht werden und 350 Tonnen Kohlendioxid in die Atmosphäre gelangen. Ein Vergleich dazu: Mit einem Mittelklassewagen müsste man 1,6 Millionen Kilometer fahren, um diese Menge zu erreichen.
Die Umweltfreundlichkeit der Heizanlage ist nicht der einzige Vorteil. „Die Übergabestationen sind wartungsfrei. Eine Gewässerschutzhaftpflicht wie für den Öltank entfällt“, beschreibt Georg Muus. Und weiter: „Man benötigt keinen Schornsteinfeger mehr, hat keinen Ölgeruch mehr im Haus und vor allem steigert die Öko-Heizung den Wert der Immobilie, da man einen viel besseren Energieausweis erhält. Und kostentechnisch ist es auch nicht teurer. Und man ist völlig unabhängig von den Öl- und Gasmärkten.“
2023 wurden die Holzhackschnitzelheizungen gegen neue Holzhacksschnitzelwerke ausgetauscht. Über eine Photovoltaik-Anlage verfügte der Bauernhof sowieso schon. Eine Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlage (KWK-Anlage) schaffte sich die Firma TEM im Sommer 2025 an.

Wie eine KWK-Anlage gleichzeitig Strom und Wärme erzeugt?
Eine KWK-Anlage ist ein Energiesystem, das gleichzeitig Strom und Wärme aus einem einzigen Brennstoff erzeugt. Dabei wird der Brennstoff verbrannt. Die dadurch entstehende Energie treibt einen Motor oder eine Turbine an, die Strom erzeugt. Bei diesem Prozess entstehende Wärme, die über Wärmetauscher für Heizung oder Warmwasser nutzbar gemacht wird.
„Die Anlage wird mit dem gleichen Rohstoff wie die Holzhackschnitzelheizungen, also den Knicks und Eisstielresten, ‚gefüttert‘. Allerdings muss das Holz trockener sein. Aber auch dafür haben wir eine Lösung“, erzählt Muus. „Unser Kraftwerk erzeugt 50 Kilowatt Strom und 100 Kilowatt Wärme. Für unsere Kunden benötigen wir aber nur bis zu 70 Kilowatt Wärme. Das heißt, den Rest nutzen wir, um das Holz zu trocknen.“
Die KWK-Anlage läuft fast an 365 Tagen im Jahr. Die beiden Holzhackschnitzelheizungen nur, wenn die Außentemperaturen niedrig sind. „Die Technik ist mittlerweile so ausgefeilt, dass ich die Anlagen über Handy überwachen und steuern kann.“
Zwischen Landwirtschaft und Energiemarkt
Auf die Frage, ob Muus lieber Landwirt oder Energiewirt ist, sagt er: „Die Rahmenbedingungen für die deutsche Landwirtschaft sind schwierig. Wir erhalten immer höhere Auflagen, dürfen kaum noch Pflanzenschutz ausbringen und sollen dabei auf einem Weltmarkt konkurrenzfähig bleiben, an dem Länder beteiligt sind, die viel weniger regulieren.“
Auch auf dem deutschen Energiemarkt sieht er Herausforderungen. „Wir würden gerne unseren Strom selbst vermarkten. Damit könnte unser Dorf komplett autark sein. Aber das geht bei unserem komplizierten öffentlichen Netz nicht. Dafür müssten rechtliche Rahmenbedingungen geschaffen werden.“
Bis dahin stellt sich Familie Muus wirtschaftlich weiter breit auf, verkauft neben Energie und landwirtschaftlicher Ernte vom Acker zusätzlich noch Kaminholz und führt Transporte mit ihren LKWs durch.