Bleib auf dem Laufenden 👉

Hofnachfolge

Hofnachfolge mit Herz und Verstand: Ein Vorbild für die nächste Generation
Frauen übernehmen landwirtschaftliche Betriebe, führen Mitarbeitende und gestalten die Zukunft von Höfen – trotzdem wirken traditionelle Rollenbilder bei der Hofnachfolge bis heute nach. Anna Catharina Voges zeigt, wie wichtig weibliche Vorbilder, wirtschaftliche Eigenständigkeit und gleiche Chancen für Frauen in der Landwirtschaft sind. Für sie sollte nicht das Geschlecht über die Hofnachfolge entscheiden, sondern Leidenschaft, Können und Verantwortung.
Welche Rolle spielen Rollenbilder bei der Hofnachfolge? Traditionelle Rollenbilder können beeinflussen, wer in einer Familie als Hofnachfolger gesehen wird.
Wer sollte einen Hof übernehmen? Wer die größte Leidenschaft für die Landwirtschaft mitbringt, sollte aus Sicht von Anna Catharina Voges die Chance auf die Hofnachfolge bekommen – unabhängig vom Geschlecht.
Was braucht eine gute Hofnachfolge? Sie betont, wie wichtig offene Gespräche über Erwartungen, Aufgaben und Führungsstil sind.

In einer Branche, die noch immer stark von Tradition geprägt ist, braucht es Mut, den eigenen Weg zu gehen. Dr. Anna Catharina Voges hat diesen Mut bewiesen: Sie hat den Familienbetrieb in der Nähe von Leipzig übernommen und eigene Vorstellungen von Führung entwickelt. Sie setzt sich für mehr Chancengleichheit bei der Hofnachfolge ein. Im Gespräch erzählt sie, welche Rolle ihre Eltern als Vorbilder spielten und was sie jungen Frauen rät, die vor der Entscheidung einer Hofübernahme stehen.

„Der oder diejenige, der die größte Leidenschaft für die Landwirtschaft hat, sollte den Hof erhalten“

Dr. Anna Catharina Voges

Zwischen Vorbildern und alten Rollenbildern

Aufgewachsen auf einem Ackerbaubetrieb in Niedersachsen, war der direkte Kontakt zur Landwirtschaft für Anna Catharina Voges von Beginn an selbstverständlich. Schon mit 14 oder 15 wollte sie Trecker fahren lernen und Feldarbeiten selbst erledigen. Nach dem Abitur überlegte sie, Tiermedizin zu studieren, doch dann entschied sie sich ganz konkret für Agrarwissenschaften.

Ihren Vater erlebte sie als Visionär: Wie er den Familienbetrieb in Hameln führte, sich um betriebliche Weiterentwicklung bemühte und schließlich 1992 einen neuen Hof bei Leipzig aufbaute. Dieser Prozess prägte sie nachhaltig.

Nicht nur der Vater, auch die Mutter lebte wirtschaftliche Eigenständigkeit vor: Sie führte einen eigenen Forstbetrieb und war engagierte Kreisvorsitzende der Landfrauen. Ein Rollenbild, mit dem Voges und ihr Bruder ganz selbstverständlich aufwuchsen, ohne dass die Eltern je Erwartungsdruck zur Hofübernahme ausübten. „Mein Vater hat es unterstützt, dass Frauen ihr eigenes Vermögen haben und eine Altersvorsorge. Beide Elternteile hatten einen starken Einfluss auf mich“, erzählt sie. Vorbilder waren auch Betriebsleiter anderer Höfe, auf denen sie Praktika absolvierte und deren Konzepte und Arbeitsweisen sie beeindruckte.

Im weiteren Umfeld der Familie zeigten sich klassische Rollenbilder dagegen deutlich hartnäckiger: Die Oma fragte den Bruder wiederholt, wann er denn auf den Betrieb zurückkomme, obwohl dieser sich längst für ein Jurastudium entschieden hatte.

Für Anna Catharina Voges sollte den Hof übernehmen, wer ihn mit Herz, Können und Verantwortung weiterführen will – unabhängig vom Geschlecht.

Die Hofnachfolge ist emotional, individuell, wirtschaftlich und persönlich zugleich. Voges betont, wie wichtig offene Gespräche sind, nicht nur über Vermögenswerte und die fachliche Übergabe, sondern auch über Erwartungshaltungen, Führungsstil und Betriebskonzept. „Wenn die Übergabe dann erfolgt ist, darf man nicht aufhören, miteinander zu sprechen“, sagt sie. Der Senior könne sich noch um bestimmte Dinge kümmern und auch die Übernehmerin entwickle sich im laufenden Prozess weiter. Alles gute Gründe, weiterhin über die Themen zu sprechen, die mit der Hofnachfolge zusammenhängen, auch gefühlsmäßig.

Dass bei ihr der ältere Bruder den 2.500 Hektar großen Hof nicht übernahm, sondern Jurist wurde, war für sie kein Hindernis, sondern eine Chance. „Der oder diejenige, der die größte Leidenschaft für die Landwirtschaft hat, sollte den Hof erhalten“, ist ihre klare Haltung. Noch immer sei es in vielen Familien verankert, dass der älteste Sohn den Hof übernimmt, erzählt Anna Catharina Voges.

Dies liege auch an einer deterministischen Interpretation der Niedersächsischen Höfeordnung. Vielfach herrsche die Auffassung, dass dieses Gesetz die Weitergabe des Hofes ausschließlich an den ältesten Sohn vorschreibe. In Wirklichkeit lässt die Höfeordnung den Erblassern aber große Freiheiten bei der Entscheidung über die Nachfolge. „Freiheit heute bedeutet, dass man zwischen den Kindern entscheiden kann und nicht nur nach dem Geschlecht gehen muss“, sagt sie.

Führung mit Weitsicht

Heute führt Anna Catharina Voges den Betrieb mit zehn Mitarbeitenden in ihrem eigenen Stil. „Zuerst habe ich mich am Stil meines Vaters orientiert, aber im Laufe des Abnabelungsprozesses habe ich meinen eigenen Stil entwickelt“, erzählt sie. Ihre Leitplanken seien weiter gefasst: „Ich gebe meinen Mitarbeitenden mehr Spielraum. Sie arbeiten zielführend, aber ich schreibe ihnen nicht jeden Schritt vor.“

„Wenn Frauen einen Hof übernehmen möchten, haben sie auch ein Recht dazu.“

Den größten Wendepunkt beim Hineinwachsen in ihre Rolle beschreibt Voges als Ablöseprozess von der prägenden Präsenz ihres Vaters. Auch wenn er sich bewusst zurückhielt, wirkte sein Einfluss über die Mitarbeitenden weiter: Sie spürten, ob der Senior wirklich hinter einer Entscheidung seiner Tochter stand. Gelöst wurde der Konflikt, indem ein externer Betriebsleiter die operative Führung übernahm, neutral und unbelastet von familiären Generationenfragen, während sie sich auf die strategische Verantwortung konzentrierte.

Anna Catharina Voges hat ihren eigenen Platz in der Betriebsführung gefunden. Heute konzentriert sie sich auf die strategische Entwicklung des Hofes – und ermutigt andere Frauen, sich Führung in der Landwirtschaft zuzutrauen.

Heute ist sie vor allem im Büro tätig. Ihr Tag ist vielseitig: Budget- und Liquiditätspläne aktualisieren, Ergebnisse mit Buchhaltung und Betriebsleiter besprechen, Sanierungskonzepte für das Rittergut bei Leipzig entwickeln, das Teil des landwirtschaftlichen Betriebes ist und abends Pilates. Ein Leben, das zeigt: Landwirtschaft und persönliche Balance schließen sich nicht aus.

Jungen Frauen, die Höfe übernehmen möchten, rät sie: „Selbstvertrauen haben, gute landwirtschaftliche und ökonomische Fähigkeiten besitzen. Wenn Frauen einen Hof übernehmen möchten, haben sie auch ein Recht dazu.“

Außerdem sollten sie Veranstaltungen besuchen und Netzwerke nutzen. All das helfe, sich auszutauschen und mit dem Thema zu wachsen. „Tatsächlich wird man erstaunt sein, wie viele Frauen heute landwirtschaftliche Unternehmerinnen beziehungsweise in leitenden Positionen im Agribusiness tätig sind“, freut sie sich.

Weitere Beiträge

Das könnte dich auch interessieren

Hofnachfolge mit Herz und Verstand: Ein Vorbild für die nächste Generation
Habt den Mut, eine Quotenfrau zu sein"
Hella Otten, Gründerin des Netzwerks Women in Agribusiness
Hella Otten: Die Frau, die Frauen im Agribusiness zusammenbringt
„Wer authentisch ist, dem stehen viele Türen offen“
So sparst du Wasser und stärkst dein Gemüse
Warum Mulchen dein Beet im Sommer schützt
Präzision in der Pflanzenreihe: Wie Feldroboter und KI arbeiten
Zwischen Blühstreifen und Bürokratie: Warum Artenvielfalt mehr als guten Willen braucht
Blühstreifen, Beetle Banks, Bürokratie: Warum guter Wille allein die Artenvielfalt nicht rettet
Digitale Lausitz: Mit Drohnen und Satelliten die Lausitz im Wandel verstehen
Ein Feld voller Absicht: Friedel Bellgardt und die Blühfeld-Initiative Hirzbach
Vielfalt zwischen Feld und Forschung – F.R.A.N.Z.-Projekt sorgt für mehr Artenvielfalt
Vom Feed auf‘s Feld: Drei TikToker tauschen Kamera gegen Gummistiefel
Wie funktioniert ein Mietgarten – und was bringt dir deine eigene Ernte?
Wie Marie Schomburg beweist, dass Landwirtschaft weiblich kann – und immer schon war
Wie Jonas Karl Klänhammer Agrarwissen neu vermittelt
Wie Familie Jürgensen ihren Milchviehbetrieb erlebbar macht
Wie Familie Horn Landwirtschaft zum Anfassen gestaltet
Wie Phillip Harleß Tierwohl, Technik und politische Realität zusammenbringen will
Zwischen Kartoffelfeld, Medien und Verbraucherfragen
Wie Christoph Sandhäger am Schloss Bellevue moderne Schweinehaltung erklärt
Wie Klara Wolf Landwirtschaft erlebbar macht
Im grünen Labyrinth des Travenhofs
Spargel, Stall und stille Wunder: Dieser Hof kann mehr als Landwirtschaft
Warum Mitte Mai für dein Gemüse entscheidend ist
Wie gut schmeckt Ziegeneis – und warum ist es so bekömmlich?
Ein landwirtschaftlicher Kreislauf mit Ökostrom-Energieerzeugung
Landwirt Georg Muus versorgt sein Dorf mit Nahwärme aus Hackschnitzeln
Interview: Wie kann Landwirtschaft unsere Energieversorgung sichern?
Wie versorgt ein Bauernhof ganze Orte mit Wärme und Strom?
Camping auf dem Bauernhof - Landvergnügen macht es möglich
Warum Köche auf deutsches Geflügel setzen
Tierwohlprogramm: Junglandwirt zeigt Respekt für seine Schweine
Mythen im Faktencheck: Was stimmt wirklich über Bio, Fleisch, Regionalität & Nachhaltigkeit?
Mehr Nachhaltigkeit muss für die Landwirtschaft zur Chance werden
Stimmt’s oder stimmt’s nicht? Landwirtschaft zwischen Lob und Vorurteil
Mehr Tierwohl, weniger Emissionen: So funktioniert der Offenstall
Friedrich Dieckmann: Was Landwirtschaft wirklich bedeutet
„Wir können Einfluss darauf nehmen, wie wir in Deutschland Lebensmittel produzieren
Wie KI und 3D-Modelle den Acker smarter machen
Prädikat "Meisterhaft" – Ein Besuch bei Metzger Lars Bode
Ein Trecker kennzeichnet Lebensmittel Made in Germany
Wie Innovationen Tierwohl & Kundenerwartungen erfüllen
Strohstall mit Energiekonzept : Mehr Tierwohl im Fokus
rinderzucht-herdenmanagement-anna-lena
Was Tinder mit Rinderzucht gemeinsam hat
Mit Akupunktur und künstlicher Intelligenz zu mehr Tierwohl
Wie der Hemme Hof Tierwohl und Milchverarbeitung vereint
GemüseAckerdemie - Ackern macht Schule
Mit einer Idee zu einem der größten dezentralen Energieversorger Deutschlands
Trüffel aus Brandenburg ? Warum die Lausitz ideales Terrain bietet
Wie aus regionalen Sojabohnen dein Tofu entsteht
Landwirte sind technologische Vorreiter
Kartoffeln, Kompost und Kreisläufe: Wie Landwirt:innen den Boden gesund halten
Mit Experimentierfreude und regenerativen Maßnahmen zu einem besseren Boden
So gelingt der Einstieg ins Imkern - und warum es sich lohnt
MoorPower - Sonnenstrom und Moor
Vom Feld zur Spielfläche - So entsteht Rollrasen
Wie Familie Fuchs ihre Böden gesund hält
Mehr Textur in Veggie-Produkten - ohne Fleisch, mit Biss
Auf Claudia Königsmann Mitmach-Hof können Klein und Groß anpacken
SAM-DIMENSION entwickelt KI-System gegen Unkraut
Wie die Rehkitzrettung in der Praxis abläuft
Wie Landwirt:innen Natur schützen und Artenvielfalt fördern
Urban Farming mit Ackerpause
Gemeinschaftsgarten in der Allee der Kosmonauten
Von Rudi Radieschen bis Tini Tomate - Kinder entdecken Vielfalt im Gemüsebeet
Annabelle Mandeng tauscht Abendrobe gegen Gummistiefel
Was Landwirt:innen durch FINKA über Artenvielfalt lernen
wellbee blühpatenschaften fördern artenvielfalt
Mit Blühpatenschaften Lebensräume für mehr Artenvielfalt schaffen
Anwalt trifft Acker - raus aus der Kanzlei, rein ins Landleben
Artenvielfalt fördern: So einfach geht´s auf dem Balkon und im Garten
huelsenfrüchte richtig zubereiten
Küchengeheimnisse Bohnen, Erbsen und Co. richtig zubereiten
Gesunde Ernährung ohne Verbote - Tipps von Natalie Grahl
Mehr Umweltschutz mit KI auf dem Acker
Hofgut Dettenberg: Von Direktsaat bis Agri-Photovoltaik
regenerative-landwirtschaft-vorpommern
Junglandwirt geht neue Wege auf dem Siebenseenhof
Keynote Sascha Lobo - Wie Künstliche Intelligenz die Landwirtschaft verändert
Genbank Gartersleben
Gendatenbank Gatersleben - Die Hüter unseres Kulturerbes
Superfood Edamame – die Powerbohne frisch aus Westfalen
agri-photovoltaik-weidehaltung
Wo Rinder weiden und gleichzeitig Strom erzeugt wird
Edelpilze auf dem Grafthof
Vom Schweinestall zum Pilzparadies – wie Eckard Janssen auf den Pilz kam
Strohschweine - bessere Haltung, bessere Qualität
Schon mal Milch aus Erbsen probiert?
Mohn statt Mais – Niklas Klingebiel setzt auf ein Nischenprodukt
Melonenanbau in Deutschland
Der Melonenmann vom Bodensee
Beweidung mit Schafen: Pascal Schneider ist Schäfer mit Leib und Seele
Grüne Riesen: Wie der Craft Beer Hype einen bayrischen Hof veränderte
Pflanzen mit Superkräften – was wir von Kartoffel, Chili & Klee lernen
Das Wetter bestimmt den Wein - Besuch bei Winzerfamilie Sauerwein
Woher kommt mein Fleisch? DNA TraceBack gibt Auskunft
Sieben Reihen Gemüse fürs eigene Kita-Restaurant
Warum krumme Gurken oft nicht im Supermarkt landen