AgrarScoutin Christiane Fuchs und ihre Familie setzen ein Konzept aus traditionellen Methoden und modernsten Technologien ein, um ihre unterschiedlichen Böden zu schützen und gleichzeitig ihre Gemüseerträge stabil zu halten
Zwischen den zwei großen Maschinen- und Lagerhallen liegt der Hofladen der Familie Fuchs. Hier bieten die Rheinland-Pfälzer Kartoffeln und Zwiebeln von ihren Feldern an sowie Paprika, Tomaten, Tafeltrauben und Gurken aus ihrem Gewächshaus.
„Jedes Frühjahr untersucht ein Labor unsere Böden auf Nährstoffe und teilt uns mit, was den Böden fehlt“
Den Hof in Worms-Heppenheim mit einer Anbaufläche von 125 Hektar führt die Familie in Eigenregie. Steffen Fuchs leitet ihn gemeinsam mit Tochter Christiane, die ihr Studium der Agrarwissenschaften abgeschlossen hat, während Mutter Petra als Industriekauffrau tätig ist. Auch die jüngste Tochter Miriam, die noch zur Schule geht, packt in ihrer Freizeit mit an. Im Sommer arbeiten noch zwei bis drei Saisonarbeitskräfte mit.
Böden schützen, Nährstoffe aufbauen
Neben den unterschiedlichen Gemüsesorten baut die Familie weitere Kulturen an wie Wintergerste, Winterweizen, Sommergerste und Hartweizen sowie Mais. „Mit einer vielfältigen Fruchtfolge und einer an die Kulturen angepasste Zwischenfrucht verbessern wir unsere Böden und schützen sie vor Erosionen“, erklärt Christiane Fuchs. Außerdem halten bestimmte Zwischenfrüchte, die vor oder nach den Hauptkulturen angebaut werden, Schädlinge wie Drahtwürmer fern, die bei Trockenheit besonders große Schäden anrichten können.
Von Böden versteht die junge Agrarwissenschaftlerin etwas. Schließlich weisen die Felder ihres Familienbetriebs die unterschiedlichsten Bodenverhältnisse auf – von schluffig-lehmig bis schwer und tonig. „Je dichter man an den Rhein kommt, desto sandiger werden die Böden“, erklärt die 24-Jährige.
„Unsere Böden dagegen sind wasserhaltefähiger als die Sandböden. Für den Kartoffelanbau eignen sich sandige beziehungsweise auch leicht lehmige Böden, da sie siebfähig sind. Für die Zwiebeln ist der Lehmboden perfekt. „Auf unserem Betrieb ernten wir drei verschiedene Zwiebelarten. Ende Juni die Winterzwiebeln, Mitte Juli folgen die Steckzwiebeln und anschließend die Sommerzwiebeln, welche bis zum kommenden Jahr gelagert werden können.“
Um dem Boden Nährstoffe zuzuführen, streut Familie Fuchs im Frühjahr vor der Aussaat Hühnertrockenkot und im Herbst nach der Ernte Kompost aus. „Beides wird auf die Flächen gefahren und dann verteilt“, erzählt die junge Landwirtin. „Besonders der Hühnertrockenkot ist ein sehr guter organischer Dünger. Er enthält unter anderem Stickstoff, Phosphat und Kalium. Mein Vater sagt immer, durch dessen schnelle Wirkung auf die Böden und die geringe Geruchsentwicklung, hat Hühnertrockenkot besonders viel Wumms.“
Das Stroh der Getreidefelder wird nach der Ernte in die Böden eingearbeitet und nicht abgefahren, um Erosionen zu vermeiden.
„Nach der Ernte machen wir überwiegend für die Folgekultur Kartoffel ‚reinen Tisch‘. So nennen wir es, wenn wir mit dem Pflug die Erde auflockern, durchlüften und die Ernterückstände einarbeiten.“ Für Zwiebeln, Getreide und Zuckerrüben wird nicht gepflügt. „Außer die Umstände erlauben es nicht anders“, sagt Christiane Fuchs.
Präzise landwirtschaften
Auf den rund 30 Hektar großen Frühkartoffelfeldern setzt die Familie seit knapp zwei Jahren einen Kartoffelroder ein, der mit Wiegezellen ausgestattet ist und den Ertrag der Kartoffeln schlagspezifisch ermittelt. Mit diesem Projekt von John Deere werden die Ertragsunterschiede innerhalb eines Ackers erkannt und dokumentiert. „Durch die Ertragskartierung wissen wir genau, an welchen Stellen im Feld mehr oder weniger gedüngt werden muss“, berichtet die Landwirtin. Auch das Ausbringen von Pflanzenschutz geschieht mit topmoderner Technik wie Section Control.
„Das heißt, die Pflanzenschutzspritze schaltet sich automatisch dort aus, wo sie schon im Einsatz war. Dadurch wird ausgeschlossen, dass Pflanzenschutzmittel mehrfach an derselben Stelle gespritzt wird. Da wir viele kleine Flächen haben, kann man mit bloßem Auge überhaupt nicht erkennen, wo man schon gespritzt hat. Durch die Section Control-Einrichtung arbeiten wir sehr präzise und vermeiden das überflüssige Ausbringen von Pflanzenschutz“, beschreibt die Landwirtin.
Dies wirkt auch weniger Bodenbelastend. „Unser Humusgehalt liegt im Schnitt bei etwa zwei Prozent. Diese verbessert sich jedes Mal, wenn wir den Kompost verteilen.“ Zum Hintergrund: Bei sandigen Böden, die nur wenig Dauerhumus aufbauen können, liegt der Humusgehalt bei 1,5-2 Prozent. Bei Schluff- und Lehmböden sind es 2,5- 4 Prozent.
Familie Fuchs lässt ihren Boden regelmäßig analysieren. „Jedes Frühjahr untersucht ein Labor unsere Böden auf Nährstoffe und teilt uns mit, was den Böden fehlt“, erklärt Christiane Fuchs. Aber auch an den Pflanzen kann man etwaige Mangelerscheinungen erkennen. Deshalb lässt der Betrieb die Pflanzen von einem professionellen Unternehmen dreimal im Jahr bewerten. „Pflanzen lassen sich anmerken, wenn es ihnen nicht gutgeht“, sagt Christiane Fuchs. Zum Beispiel rollen sich Kartoffelblätter ein, wenn sie unter Trockenstress beziehungsweise Wassermangel leiden. Zwiebeln bekommen in dem Fall leicht gelbe Spitzen am Lauch.
„Wir tauschen uns viel mit anderen Landwirtinnen und Landwirten aus, gerade im Hinblick auf den neuen Schädling, die Schilf- und Glasflügelzikade“, erzählt sie.
Trotz aller Herausforderungen sagt Christiane Fuchs: „Ich kann mir keinen schöneren Beruf vorstellen. Schon seit der achten Klasse wusste ich, dass ich Landwirtin werden möchte.“ Und eines Tages wird sie die Hofnachfolge antreten.