Bleib auf dem Laufenden 👉

Weinanbau an der Mosel

Das Wetter bestimmt den Wein - Besuch bei Winzerfamilie Sauerwein
Das Wetter prägt den Wein Temperatur, Regen und Frost beeinflussen Ernte, Qualität und Geschmack der Trauben.
Digitale Hilfe für gesunde Reben Wetterdaten und Prognose-Tools unterstützen Winzer:innen beim nachhaltigen Pflanzenschutz.
Alte Reben, neue Sorten Neben Traditionssorten wie Elbling setzen die Sauerweins auf robuste Neuzüchtungen wie Solaris oder Cabernet Cortis.

Seit knapp 100 Jahren ist die Winzerfamilie Sauerwein an der Mosel aktiv. Wie ihr jährliches Sortiment aussieht, ist von der Witterung abhängig.  

Wenn Matthias Sauerwein eine Weinprobe in seiner neu erbauten weißen Vinothek mit den bodentiefen Fenstern abhält, genießen er und seine Gäste einen Ausblick über die Weinberge bis hin nach Luxemburg. In den Wirren des Dreißigjährigen Kriegs kamen Sauerweins Vorfahren als Wirtschaftsflüchtlinge aus dem österreichischen Natters nach Palzem an die Obermosel. 1924 gründete Urgroßvater Matthias Sauerwein den Betriebssitz. Schon damals bauten die Urgroßeltern die Rebsorte Elbling an, heute ein seltener Wein, der seinen Namen dem lateinischen Wort albus, auf Deutsch weiß, verdankt. Matthias und sein Bruder Timo sowie deren Mutter Edith führen die Tradition auf dem Weingut fort und bauen neben 23 anderen Rebsorten auch weiterhin den leichten, fast neutral schmeckenden Trinkwein an.

„Durch warme Temperaturen im Frühjahr startet die Ernte immer früher. Wir haben auch festgestellt, dass wir mittlerweile ganz andere Rebsorten anpflanzen können, nämlich auch die, die sonst besser im Süden gedeihen oder die besonders widerstandsfähig sind.“

Rebsorten, Wetter und Boden: So entsteht Weinqualität

„Unser Elbling-Weinberg ist der älteste unseres Weinguts. Er wurde vor über sechs Jahrzehnten angelegt“, erklärt Matthias Sauerwein. „In der Regel lässt man einen Weinstock 30 Jahre stehen, bevor man ihn austauscht, weil er dann weniger Erträge liefert“, so der Vater dreier Kinder.

Aber der Ertrag ist für die Sauerweins nicht das Wichtigste. Viel entscheidender ist, dass alte Rebstöcke tiefer wurzeln und die Qualität der Reben dadurch oft besser ist! Für den Austausch kauft der Winzer veredelte Pflanzen in einer Rebschule. Dabei wählen die Sauerweins auch gerne neue, pilzwiderstandsfähige Rebsorten, da sie keine Extrabehandlungen benötigen. „Bevor die einjährigen Reben im Frühjahr maschinell gepflanzt werden, müssen wir den Boden mit seiner Humusschicht sehr gut lockern, bis er krümelig ist“, beschreibt Matthias Sauerwein die Neupflanzung.

„Nach dem Setzen laufen wir noch einmal über den Weinberg und treten die Rebstöcke fest. Etwas später werden sie angebunden und drei Jahre lang gepflegt, bis die Trauben das erste Mal geerntet werden können.“ Rund 30000 bis 40000 Euro kostet die Neuanlage eines 1-Hektar großen Weinbergs.

Vielfalt, die man schmeckt

Auf über 20 Moselkilometern erstrecken sich die 33 Hektar umfassenden Weinberge der Familie Sauerwein. „Wir sehen diese Distanz als Risikominimierung an. Denn wenn es Spätfröste oder andere Wetterextreme gibt, sind nicht gleich all unsere Weinberge betroffen. Außerdem erzielt der Wein jedes Bergs eine andere Nuance und unterschiedliche Aromen.“

Diese geschmackliche Vielfalt nutzt die Winzerfamilie, um Cuvées aus verschiedenen Rebsorten und Lagen herzustellen. „Im Weinberg entsteht die Grundlage eines Weins. Später im Keller bei der Weiterverarbeitung ist große Sorgfalt nötig, um die Weinqualität zuhalten“, betont der Winzer. Daher nehmen die Sauerweins während der Gärung täglich Proben aus jedem Weinfass, um am Ende über die finale Zusammensetzung eines Weins zu entscheiden.

„Natürlich spielt das Wetter eine entscheidende Rolle. Es bestimmt den Wein“, erklärt Matthias Sauerwein. „2022 war es sehr heiß und trocken – für unsere Rotweine eine gute Voraussetzung. Und für die Weißweine bedeutete das weniger Säure“, fährt der studierte Önologe fort. 2021 dagegen sei ein sehr feuchtes Jahr gewesen. Dadurch waren die Trauben, aus denen Weiß- und Roséweine produziert wurden, sehr aromatisch und geschmacklich schön ausgebildet. „Andererseits war dies natürlich kein gutes Rotweinjahr. Wir haben deshalb eher Rosé hergestellt“, erinnert sich der Winzer.

der anbau von wein ist familiensache
Bei Familie Sauerwein übernimmt jedes Familienmitglied eine Aufgabe im Tagesgeschäft

Weinauswahl – Zwischen Rebsorte und Restsüße

„Wenn die Kerne gut durchgefärbt, also braun sind, kann die Weinlese beginnen. Meistens starten wir mit den ersten Rebsorten Mitte September. Aber das kommt jedes Mal auf das Wetter an“, sagt Sauerwein. „Durch warme Temperaturen im Frühjahr startet die Ernte immer früher. Wir haben auch festgestellt, dass wir mittlerweile ganz andere Rebsorten anpflanzen können, nämlich auch die, die sonst besser im Süden gedeihen oder die besonders widerstandsfähig sind.“ So bauen sie junge, unbekanntere Rebsorten wie Solaris oder Cabernet Cortis an und kombinieren diese mit bekannteren Rebsorten.

„Viele deutsche Kunden kaufen ihre Weine rebsortenbezogen. Riesling, Grauburgunder, Weißburgunder sind bekannt und werden daher gerne gekauft, unbekanntere Sorten wie etwa Auxerrois haben es schwerer“, weiß Sauerwein zu berichten. „Bei anderen Kunden in Deutschland spielt der Begriff ‚Trocken‘ eine große Rolle. Dabei empfehle ich, auch einmal Mut zur Restsüße zu haben.“

Neben dem Elbling und einem Wein aus Schwarzriesling, dessen Rosé immer schnell ausverkauft ist, gehört der „4 Brüder“-Rotwein, eine Hommage an die drei jüngeren Brüder von Matthias Sauerwein, zu den Hits des Weinguts. Der „4 Brüder“-Rotwein ist eine Cuvée; er besteht aus vier verschiedenen Rebsorten. Rund 150000 Flaschen Wein stellt Familie Sauerwein jährlich her. „Das ist zu wenig, um sie an große Händler zu verkaufen. Von daher richten wir uns direkt an die Endverbraucher. Sie verstehen, wenn eine Weinsorte mal vergriffen ist, und bestellen schon fürs nächste Jahr vor. Auf diese Weise behalten wir unsere Flexibilität und können je nach Jahr und Reife der Trauben entscheiden, wie wir unsere Weine ausbauen wollen.“

Was bedeutet Cuvée?

Der Ausdruck stammt aus dem Französischen und bedeutet Bottich oder Weinbehälter. Heutzutage bezeichnet Cuvée einen Wein, der aus einer Zusammenstellung von Weinen unterschiedlicher Rebsorten, Jahrgänge oder Lagen besteht.

Weitere Beiträge

Das könnte dich auch interessieren

Prädikat "Meisterhaft" – Ein Besuch bei Metzger Lars Bode
Ein Trecker kennzeichnet Lebensmittel Made in Germany
Wie Innovationen Tierwohl & Kundenerwartungen erfüllen
Strohstall mit Energiekonzept : Mehr Tierwohl im Fokus
rinderzucht-herdenmanagement-anna-lena
Was Tinder mit Rinderzucht gemeinsam hat
Mit Akupunktur und künstlicher Intelligenz zu mehr Tierwohl
Wie der Hemme Hof Tierwohl und Milchverarbeitung vereint
GemüseAckerdemie - Ackern macht Schule
Mit einer Idee zu einem der größten dezentralen Energieversorger Deutschlands
Trüffel aus Brandenburg ? Warum die Lausitz ideales Terrain bietet
Wie aus regionalen Sojabohnen dein Tofu entsteht
Landwirte sind technologische Vorreiter
Kartoffeln, Kompost und Kreisläufe: Wie Landwirt:innen den Boden gesund halten
Mit Experimentierfreude und regenerativen Maßnahmen zu einem besseren Boden
So gelingt der Einstieg ins Imkern - und warum es sich lohnt
MoorPower - Sonnenstrom und Moor
Vom Feld zur Spielfläche - So entsteht Rollrasen
Wie Familie Fuchs ihre Böden gesund hält
Mehr Textur in Veggie-Produkten - ohne Fleisch, mit Biss
Auf Claudia Königsmann Mitmach-Hof können Klein und Groß anpacken
SAM-DIMENSION entwickelt KI-System gegen Unkraut
Wie die Rehkitzrettung in der Praxis abläuft
Wie Landwirt:innen Natur schützen und Artenvielfalt fördern
Urban Farming mit Ackerpause
Gemeinschaftsgarten in der Allee der Kosmonauten
Von Rudi Radieschen bis Tini Tomate - Kinder entdecken Vielfalt im Gemüsebeet
Annabelle Mandeng tauscht Abendrobe gegen Gummistiefel
Was Landwirt:innen durch FINKA über Artenvielfalt lernen
wellbee blühpatenschaften fördern artenvielfalt
Mit Blühpatenschaften Lebensräume für mehr Artenvielfalt schaffen
Anwalt trifft Acker - raus aus der Kanzlei, rein ins Landleben
Artenvielfalt fördern: So einfach geht´s auf dem Balkon und im Garten
huelsenfrüchte richtig zubereiten
Küchengeheimnisse Bohnen, Erbsen und Co. richtig zubereiten
Gesunde Ernährung ohne Verbote - Tipps von Natalie Grahl
Mehr Umweltschutz mit KI auf dem Acker
Hofgut Dettenberg: Von Direktsaat bis Agri-Photovoltaik
regenerative-landwirtschaft-vorpommern
Junglandwirt geht neue Wege auf dem Siebenseenhof
Keynote Sascha Lobo - Wie Künstliche Intelligenz die Landwirtschaft verändert
Genbank Gartersleben
Gendatenbank Gatersleben - Die Hüter unseres Kulturerbes
Superfood Edamame – die Powerbohne frisch aus Westfalen
agri-photovoltaik-weidehaltung
Wo Rinder weiden und gleichzeitig Strom erzeugt wird
Edelpilze auf dem Grafthof
Vom Schweinestall zum Pilzparadies – wie Eckard Janssen auf den Pilz kam
Strohschweine - bessere Haltung, bessere Qualität
Schon mal Milch aus Erbsen probiert?
Mohn statt Mais – Niklas Klingebiel setzt auf ein Nischenprodukt
Melonenanbau in Deutschland
Der Melonenmann vom Bodensee
Beweidung mit Schafen: Pascal Schneider ist Schäfer mit Leib und Seele
Grüne Riesen: Wie der Craft Beer Hype einen bayrischen Hof veränderte
Pflanzen mit Superkräften – was wir von Kartoffel, Chili & Klee lernen
Das Wetter bestimmt den Wein - Besuch bei Winzerfamilie Sauerwein
Woher kommt mein Fleisch? DNA TraceBack gibt Auskunft
Sieben Reihen Gemüse fürs eigene Kita-Restaurant