Bleib auf dem Laufenden 👉

Zwischen Kuhstall und Hofbesuchen

Wie Klara Wolf Landwirtschaft erlebbar macht
Landwirtschaft erleben Bei Hoffesten und Aktionstagen erleben Besucher auf Klaras Hof direkt, wie moderne Milchviehhaltung und Lebensmittelproduktion funktionieren.
Kreisläufe sichtbar machen Auf dem Hof von Klara Wolf werden Futter, Energie und Dünger in einem landwirtschaftlichen Kreislauf miteinander verbunden.
Dialog schafft Verständnis Als AgrarScoutin erklärt Klara Wolf Landwirtschaft verständlich und zeigt Verbrauchern ihren Alltag ohne Fachsprache.

Wer versteht, schätzt mehr: Junglandwirtin Klara Wolf aus dem Odenwald öffnet ihren Hof für Hunderte Besucher – und zeigt, dass moderne Landwirtschaft mehr ist als Maschinen, Milch und Mais

Sanft steigt der Hang hinter dem alten Fachwerkhaus. Auf der Weide grasen 80 Milchkühe – ruhig und satt. Zwei Schafe ziehen gemächlich vorbei, zwei Pferde kauen genüsslich. Dazwischen erheben sich eine 300 Jahre alte Hofreite, ein denkmalgeschütztes Schmuckstück mit dunklem Gebälk und hellen Wänden und dahinter: ein moderner Stall mit viel Platz für die Milchkühe und Rinder. In Höchst-Dusenbach im Odenwald lebt und arbeitet Klara Wolf, Landwirtin, Agrarwissenschaftlerin und Botschafterin einer Landwirtschaft, die offen Türen und ehrliche Einblicke bietet.

„Wir müssen zeigen, was wir tun. Einfach, klar, anschaulich. Dann wächst Verständnis.“

Klara Wolf, Landwirtin

„Viele Menschen haben keine Berührung mit der Landwirtschaft“, sagt sie. „Und wir Landwirte wissen oft genauso wenig vom Leben anderer. Wenn wir miteinander sprechen, verstehen wir uns.“

Hoffeste für hunderte Besucher

Dieses gegenseitige Verstehen ist ihr Anliegen. Klara Wolf führt nicht nur Tiere und Äcker, sondern Menschen zusammen. Zweimal im Jahr lädt sie auf ihren Hof ein, zu einem Hoffest, das längst zu einem festen Termin im Kalender vieler Familien, Kollegen und Dorfbewohner geworden ist. Fast tausend Gäste strömen an einem Sonntag herbei, um zu essen, zu lachen, zu schauen und zu lernen. Zwischen Hüpfburg und Strohballen, Futtertisch und Bierwagen können sie erfahren, wie moderne Landwirtschaft funktioniert, was Tierwohl bedeutet und warum Nachhaltigkeit kein Modewort, sondern tägliche Praxis ist. „Dass unsere Feste so gut angenommen werden, stellt für uns eine große Wertschätzung dar. Die Besucher lesen begeistert unsere Infotafeln, auf denen wir mit verständlichen Texten unsere einzelnen Stallbereiche beschreiben und machen sich so selbst ein Bild darüber, ob die Tiere hier ein gutes Leben führen.“

Auf dem Hof von Klara Wolf erleben Besucher moderne Milchviehhaltung direkt im Stall – nah an den Tieren und am Alltag der Landwirtin. Foto: Klara Wolf

Klara Wolf erklärt weiter: „Wir produzieren unsere Energie selbst. Strom und Wärme aus Biomasse und Sonne. „Bei uns gibt es einen Kreislauf. Ein Teil, den wir ernten, futtern die Kühe, mit dem anderen Teil und den Ausscheidungen der Kühe wird die Biogasanlage betrieben. Dazu werden die verschiedenen Stoffe gemischt, gemeinsam vergoren und zu Energie umgewandelt. Was übrig bleibt, ist hochwertiger Dünger, der den Pflanzen wieder als Nahrung zum Wachsen dient. Mit unserer Energie aus unserer Biogasanlage versorgen wir rund 1000 Haushalte mit Ökostrom und zehn Häuser mit Ökowärme. Der Strom aus der Photovoltaikanlage wird auch für den Eigenbedarf eingespeist, der Rest kommt in das öffentliche Netz.“

Diese Form der Landwirtschaft ist kein neues Konzept, sondern wird seit Jahrhunderten so betrieben. Heute werden diese Kreisläufe nur mit moderner Technologie optimiert.

Sonnenblumen, Energie erzeugen und Gutes tun

Mit 100 Hektar Dauergrünland ist ausreichend Grundnahrung für die Kühe und die Biogasanlage vorhanden. Auf weiteren 150 Hektar Fläche wachsen Silomais, Wintergerste, verschiedene Ganzpflanzengemenge sowie Brotweizen als Basis für die Lebensmittelproduktion. Im Spätsommer kommt ein Meer aus Sonnenblumen dazu.

10 Jahre AgrarScouts

Dialog lebt von Menschen

Als AgrarScoutin engagiert sich Klara Wolf für offenen Austausch und mehr Verständnis rund um moderne Landwirtschaft. Ihre Geschichte ist Teil von „10 Jahre AgrarScouts – Dialog lebt von Menschen“.

Seit zehn Jahren bringen AgrarScouts Landwirtschaft und Gesellschaft ins Gespräch.
Zum Jubiläum erzählen zehn AgrarScouts ihre persönlichen Geschichten und zeigen, wie Dialog Verständnis schafft.

Mehr zum Jubiläum

Auf 25 Hektar verteilt, das sind ungefähr 30 Fußballfelder, strahlt es Gelb in die Umgebung hinein. Spaziergänger bleiben stehen, pflücken sich Sträuße und werfen Geld in kleine Kassen hinein. Den Aufruf dazu gibt ein Infoschild der Familie Wolf. Auf diesem wird die doppelte Nutzung der Sonnenblume erwähnt: Als Futter für die Bienen und Insekten sowie als „Futter” für die Biogasanlage und somit für Ökostrom. Das Geld spendet Familie Wolf an gemeinnützige regionale Projekte. Ein Zeichen dafür, dass gelebte Gemeinschaft auf dem Land mehr ist als Nachbarschaft. Sie ist Haltung.

Die Sonnenblumenfelder der Familie Wolf sind nicht nur ein Blickfang im Odenwald, sondern liefern Nahrung für Insekten und Energie für die Biogasanlage. Foto: Klara Wolf

Doch Klara will mehr als Idylle vermitteln. Als AgrarScoutin auf der Grünen Woche erklärt sie in verständlicher Sprache Arbeitsabläufe in der Landwirtschaft und vermittelt Zusammenhänge, die ein Konsument gar nicht wissen kann.

Auf Veranstaltungen wie der Grünen Woche vermittelt Klara Wolf Einblicke in landwirtschaftliche Arbeitsabläufe und moderne Tierhaltung. Foto: Klara Wolf

Bei der jährlichen Aktion Landwirt für einen Tag begrüßt sie Verbraucher und nimmt diese für ein paar Stunden mitten hinein in ihren Alltag. Dann greifen IT-Fachleute, Lehrer oder Journalisten zu Mistgabel und Melkgeschirr. Sie füttern Kälber, reinigen den Futtertisch und packen mit an. Hautnah erleben sie, wie sich Landwirtschaft anfühlt. „Wir dürfen Verbraucher nicht mit Fachbegriffen erschlagen“, sagt Klara. „Wir müssen zeigen, was wir tun. Einfach, klar, anschaulich. Dann wächst Verständnis.“

Ihr Vorgehen gelingt. Ob Erwachsene oder Schulkinder: Ihre Besucher staunen, fragen, fotografieren und gehen mit einem neuen Gefühl nach Hause: mit Respekt für die Landwirtschaft.

Wenn man Klara Wolf beobachtet, wie sie zwischen Kühen und Verbrauchern steht, zwischen Tradition und Hightech, dann spürt man, dass ihr kommunikativer Weg, den sie geht, zu einem Ziel führt. Zu mehr Verständnis und Wertschätzung.

Weitere Beiträge

Das könnte dich auch interessieren

Wie Marie Schomburg beweist, dass Landwirtschaft weiblich kann – und immer schon war
Wie Jonas Karl Klänhammer Agrarwissen neu vermittelt
Wie Familie Jürgensen ihren Milchviehbetrieb erlebbar macht
Wie Familie Horn Landwirtschaft zum Anfassen gestaltet
Wie Phillip Harleß Tierwohl, Technik und politische Realität zusammenbringen will
Zwischen Kartoffelfeld, Medien und Verbraucherfragen
Wie Christoph Sandhäger am Schloss Bellevue moderne Schweinehaltung erklärt
Wie Klara Wolf Landwirtschaft erlebbar macht
Im grünen Labyrinth des Travenhofs
Spargel, Stall und stille Wunder: Dieser Hof kann mehr als Landwirtschaft
Warum Mitte Mai für dein Gemüse entscheidend ist
Wie gut schmeckt Ziegeneis – und warum ist es so bekömmlich?
Ein landwirtschaftlicher Kreislauf mit Ökostrom-Energieerzeugung
Landwirt Georg Muus versorgt sein Dorf mit Nahwärme aus Hackschnitzeln
Interview: Wie kann Landwirtschaft unsere Energieversorgung sichern?
Wie versorgt ein Bauernhof ganze Orte mit Wärme und Strom?
Camping auf dem Bauernhof - Landvergnügen macht es möglich
Warum Köche auf deutsches Geflügel setzen
Tierwohlprogramm: Junglandwirt zeigt Respekt für seine Schweine
Mythen im Faktencheck: Was stimmt wirklich über Bio, Fleisch, Regionalität & Nachhaltigkeit?
Mehr Nachhaltigkeit muss für die Landwirtschaft zur Chance werden
Stimmt’s oder stimmt’s nicht? Landwirtschaft zwischen Lob und Vorurteil
Mehr Tierwohl, weniger Emissionen: So funktioniert der Offenstall
Friedrich Dieckmann: Was Landwirtschaft wirklich bedeutet
„Wir können Einfluss darauf nehmen, wie wir in Deutschland Lebensmittel produzieren
Wie KI und 3D-Modelle den Acker smarter machen
Prädikat "Meisterhaft" – Ein Besuch bei Metzger Lars Bode
Ein Trecker kennzeichnet Lebensmittel Made in Germany
Wie Innovationen Tierwohl & Kundenerwartungen erfüllen
Strohstall mit Energiekonzept : Mehr Tierwohl im Fokus
rinderzucht-herdenmanagement-anna-lena
Was Tinder mit Rinderzucht gemeinsam hat
Mit Akupunktur und künstlicher Intelligenz zu mehr Tierwohl
Wie der Hemme Hof Tierwohl und Milchverarbeitung vereint
GemüseAckerdemie - Ackern macht Schule
Mit einer Idee zu einem der größten dezentralen Energieversorger Deutschlands
Trüffel aus Brandenburg ? Warum die Lausitz ideales Terrain bietet
Wie aus regionalen Sojabohnen dein Tofu entsteht
Landwirte sind technologische Vorreiter
Kartoffeln, Kompost und Kreisläufe: Wie Landwirt:innen den Boden gesund halten
Mit Experimentierfreude und regenerativen Maßnahmen zu einem besseren Boden
So gelingt der Einstieg ins Imkern - und warum es sich lohnt
MoorPower - Sonnenstrom und Moor
Vom Feld zur Spielfläche - So entsteht Rollrasen
Wie Familie Fuchs ihre Böden gesund hält
Mehr Textur in Veggie-Produkten - ohne Fleisch, mit Biss
Auf Claudia Königsmann Mitmach-Hof können Klein und Groß anpacken
SAM-DIMENSION entwickelt KI-System gegen Unkraut
Wie die Rehkitzrettung in der Praxis abläuft
Wie Landwirt:innen Natur schützen und Artenvielfalt fördern
Urban Farming mit Ackerpause
Gemeinschaftsgarten in der Allee der Kosmonauten
Von Rudi Radieschen bis Tini Tomate - Kinder entdecken Vielfalt im Gemüsebeet
Annabelle Mandeng tauscht Abendrobe gegen Gummistiefel
Was Landwirt:innen durch FINKA über Artenvielfalt lernen
wellbee blühpatenschaften fördern artenvielfalt
Mit Blühpatenschaften Lebensräume für mehr Artenvielfalt schaffen
Anwalt trifft Acker - raus aus der Kanzlei, rein ins Landleben
Artenvielfalt fördern: So einfach geht´s auf dem Balkon und im Garten
huelsenfrüchte richtig zubereiten
Küchengeheimnisse Bohnen, Erbsen und Co. richtig zubereiten
Gesunde Ernährung ohne Verbote - Tipps von Natalie Grahl
Mehr Umweltschutz mit KI auf dem Acker
Hofgut Dettenberg: Von Direktsaat bis Agri-Photovoltaik
regenerative-landwirtschaft-vorpommern
Junglandwirt geht neue Wege auf dem Siebenseenhof
Keynote Sascha Lobo - Wie Künstliche Intelligenz die Landwirtschaft verändert
Genbank Gartersleben
Gendatenbank Gatersleben - Die Hüter unseres Kulturerbes
Superfood Edamame – die Powerbohne frisch aus Westfalen
agri-photovoltaik-weidehaltung
Wo Rinder weiden und gleichzeitig Strom erzeugt wird
Edelpilze auf dem Grafthof
Vom Schweinestall zum Pilzparadies – wie Eckard Janssen auf den Pilz kam
Strohschweine - bessere Haltung, bessere Qualität
Schon mal Milch aus Erbsen probiert?
Mohn statt Mais – Niklas Klingebiel setzt auf ein Nischenprodukt
Melonenanbau in Deutschland
Der Melonenmann vom Bodensee
Beweidung mit Schafen: Pascal Schneider ist Schäfer mit Leib und Seele
Grüne Riesen: Wie der Craft Beer Hype einen bayrischen Hof veränderte
Pflanzen mit Superkräften – was wir von Kartoffel, Chili & Klee lernen
Das Wetter bestimmt den Wein - Besuch bei Winzerfamilie Sauerwein
Woher kommt mein Fleisch? DNA TraceBack gibt Auskunft
Sieben Reihen Gemüse fürs eigene Kita-Restaurant
Warum krumme Gurken oft nicht im Supermarkt landen