Seit 15 Jahren betreiben Klara Wolf und ihre Familie eine Biogasanlage. Bisher mit großem Erfolg. Doch schon bald fehlt ihnen die Planungssicherheit.
Sonnenblumen, soweit das Auge reicht. Wenn im Spätsommer auf einer Fläche von rund 30 Fußballfeldern (circa. 25 Hektar) die hochgewachsenen gelben „Glücks”-Pflanzen blühen, bleiben die Menschen stehen und erfreuen sich an ihrem strahlenden Anblick. Manche können nicht widerstehen und pflücken sich einen Strauß. Anschließend werfen sie als Gegenleistung ein paar Münzen in die aufgestellten Geldboxen. „Wir spenden das Geld an gemeinnützige Projekte,“ sagt Junglandwirtin Klara Wolf aus Höchst-Dusenbach im Odenwald. Mehrere Schilder an den verschiedenen Feldern machen auf die Spenden-Aktion aufmerksam.

Auf den Plakaten wird auch erklärt, dass ein Gemenge aus Energie-Gras und Sonnenblumen auf dem Acker angebaut wird, um daraus nach Ernte und Silierung Ökostrom herzustellen. Denn in der Biogasanlage der Familie Wolf wird neben Gras- und Maissilage eben auch Ganzpflanzensilage als Futterquelle für die Methan bildenden Bakterien genutzt.
„Seit 2011 haben wir eine Biogasanlage mit zwei Motoren mit jeweils 255 kW Leistung in Betrieb“, erläutert die Agrarwissenschaftlerin mit Schwerpunkt Umwelt und Naturschutz. Neben den pflanzlichen Erzeugnissen werden Gülle und Mist der 80 Milchkühe und deren Nachzucht – etwa 80 Rinder – in der Biogasanlage vergoren. „Wir produzieren Ökostrom für rund 1000 Haushalte und Wärme für circa 10 Häuser. Zudem wird auch Holz mit der Wärme getrocknet“, beschreibt Klara Wolf, die den Hof in zehnter Generation leitet.
Ein Kreislauf aus der Produktion von Lebensmitteln, Futter, Energie und Dünger
Die Wärme entsteht als Abwärme der Blockheizkraftwerke, die durch das von den Bakterien gebildete Gas angetrieben werden. Das Methan wird vorher in drei großen Behältern, dem Fermenter, dem Nachgärer und dem Gärrestlager bei der Vergärung der Ausgangsstoffe produziert. Im Fermenter kommen die Ausgangsstoffe zusammen, werden auf etwa 45 Grad Celcius erwärmt und stundenweise gerührt. Hier entsteht circa 80 Prozent des möglichen Methans. Anschließend strömt das Substrat in den Nachgärer zum weiteren Ausgasen und wird danach im Gärrestlager aufbewahrt, bis es als hochwirksamer Dünger auf den hofeigenen Feldern wieder ausgebracht wird. Der so genannte Gärrest ernährt somit die Pflanzen, die später auch wieder als Futterstoff für Kühe und die Biogasanlage genutzt werden. So entsteht der Kreislauf von Futter, Gärprozess zu Gärrest und Dünger und wieder zu Futter.

Das Gas wird unter großen Foliendächern auf den runden Behältern gespeichert und hauptsächlich dann in Strom umgewandelt, wenn es auch gebraucht wird. Die dabei gewonnene Wärme wird auf Wasser übertragen. Dieses heiße Wasser wird über unterirdische, gut isolierte Rohrleitungen – das Nahwärmenetz – zu den angeschlossenen Häusern gepumpt und an einer Übergabestation in den internen Heizwasserkreislauf des Hauses übertragen. Der erzeugte Strom wird ins öffentliche Stromnetz eingespeist. Die Energieverluste bei der Strom- und Wärmeproduktion sind relativ gering. Optimiert wird der ganze Prozess noch durch eine Photovoltaik-Anlage auf den Stallungen der Familie. Hier wird der Strom produziert, den die Biogasanlage für das Einfüttern der Komponenten und das Rühren während des Gärprozesses braucht.
Mehr Planungssicherheit durch die Politik
Weltweite Krisen verunsichern immer mehr Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland, sodass diese sich nach sicheren Wärme- und Stromversorgungen erkundigen. „Wir können unseren Kunden eine Preisgarantie gewährleisten, solange das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) noch für uns greift.“ Eine EEG-Förderung gilt in der Regel für 20 Jahre.

„Unsere läuft in fünf Jahren aus. Wir wissen noch nicht, wie wir mit der Biogasproduktion weitermachen“, sagt die Hessin. Vier Standbeine betreibt ihre Familie aktuell: Die Milcherzeugung mit 80 Milchkühen, die Direktvermarktung von Milch, Eiern, Honig, Marmelade, Wurst und Fleisch in Automaten, den Verkauf von Brotweizen und Futtergetreide und die Erzeugung erneuerbarer Energien. „Biogas ist perfekt. Man kann das C02-neutrale Gas ohne Verluste so lange speichern, bis es gebraucht wird. Man ist nicht auf Sonne oder Wind angewiesen und man nutzt nur Dinge aus dem Hofkreislauf wie Gülle oder nachwachsende Pflanzen und Pflanzenreste“, erklärt die 34-Jährige. Aber es fehle ein langfristiger Rundumblick der Politik und Planungssicherheit für die Energieerzeuger. „Wir würden gerne auch in fünf Jahren mit der Biogasanlage weitermachen. Auch ohne Förderung könnten wir theoretisch das Nahwärmenetz aufrechterhalten. Aber, wenn die Politik unsere funktionierende Anlage nicht weiter bewilligt und noch höhere Auflagen fordert, müssen wir dieses Standbein schließen.“