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Offenstall & Haltungsform 4

Mehr Tierwohl, weniger Emissionen: So funktioniert der Offenstall
Offenstall mit Funktionszonen Auf dem Hof Langenberg werden 1400 Schweine in Haltungsform 4 gehalten – in Offenställen mit getrennten Bereichen fürs Leben, Fressen, Ruhen und für die „Toilette“.
„Schweinetoilette“ senkt Ammoniak Kot und Urin landen über einen Spaltenboden in einem System, das beides trennt. Dadurch verringern sich Ammoniakemissionen – und damit ein möglicher Klimaeffekt über Lachgas.
Mehr Tierwohl hat seinen Preis Die Tiere wirken ausgeglichener und gesund. Gesa Langenberg würde gern weiter umbauen, doch hohe Investitionen, unsichere Förderung und der Preis an der Theke bremsen.

Die offenen Schweineställe auf dem niedersächsischen Hof Langenberg ermöglichen eine nachhaltige Tierhaltung der Haltungsstufe 4 bei gleichzeitiger Emissionsverringerung

Offene Wände, große Außenflächen, moderne Sanitärbereiche, vollautomatisierte Technik, Klimaanlagen, Heizungen, große Chillflächen, Kamerageschützte Bereiche. Was wie eine Immobilienanzeige klingt, beschreibt zwei Schweineställe auf dem Langenberg Hof in Bockstedt. Seitdem Gesa Langenberg 2017 gemeinsam mit ihrem Mann Josef den elterlichen Betrieb übernommen hat, baute die Betriebsleiterin in den vergangenen Jahren einen neuen Stall für 1000 Schweine und ließ einen bestehenden für rund 400 Tiere komplett modernisieren. Anregungen dafür holte sie sich bei Besichtigungen in Österreich. Seitdem werden auf dem Betrieb 1400 Schweine nach der Haltungsform 4 und die restlichen 1600 Tiere nach der Haltungsform 2 gehalten.

„Das bedeutet, dass unsere Ställe das natürliche Verhalten der Schweine und damit das Tierwohl merklich verbessern und gleichzeitig eine klimaschonende Tierhaltung ermöglichen“

Gesa Langenberg


Klimaschonende Schweinehaltung

„Unsere Offenställe sind in verschiedene Funktionsbereiche mit unterschiedlichen Böden eingeteilt“, erzählt die Agrarwissenschaftlerin. Dort, wo die Schweine leben, spielen, essen und schlafen, fällt Stroh automatisiert durch Deckenschlitze.

Offene Seiten, viel Luft und Auslauf: So sieht ein moderner Offenstall aus Foto: Langenberg Hof

Im äußersten Außenbereich befindet sich die „Schweinetoilette“. „Da Schweine sehr reinlich sind, benutzen sie tatsächlich nahezu ausschließlich dieses letzte Drittel für ihre Notdurft. Der Bereich verfügt über einen Spaltenboden, durch den die Exkremente in einem Kanalsystem landen, bei dem Kot und Urin getrennt werden“, erklärt Gesa Langenberg. Das hat zur Folge, dass sich die schädlichen Ammoniakemissionen verringern.

Ammoniak ist ein indirektes Treibhausgas, das in der Atmosphäre zu Lachgas umgewandelt werden kann, das rund 300-mal schädlicher als CO2 ist. „Das bedeutet, dass unsere Ställe das natürliche Verhalten der Schweine und damit das Tierwohl merklich verbessern und gleichzeitig eine klimaschonende Tierhaltung ermöglichen“, freut sich Gesa Langenberg.

Schweine ruhen im Offenstall mit getrennten Funktionsbereichen – die natürliche Reinlichkeit der Tiere trägt zu einer geringen Geruchsbelastung bei.

Die Geruchsbelastung in den beiden Ställen ist denkbar gering. Die Schweine sind ausgeglichener, ihre biologische Leistung höher. „Wir verzeichnen einen sehr hohen Gesundheitswert bei den Schweinen der Haltungsstufe 4. Sehr gerne würde ich die restlichen Tiere auch in neuen Ställen unterbringen“, sagt die Mutter dreier Kinder. Ein viertes ist gerade unterwegs. „Aber die Investitionen sind so hoch und die Förderung, die Cem Özdemir als Bundeslandwirtschaftsminister eingeführt hatte, wird jetzt wieder eingestellt. Das ist ein großer Schock für die tierhaltende Landwirtschaft“, erklärt die niedersächsische Landwirtin.

Der Preis bestimmt die Wahl

Auch die Marktsituation ist schwer einschätzbar. „Die Verbraucher bringen unseren Bemühungen zu mehr Tierwohl ihre Wertschätzung entgegen, aber für viele ist am Ende der Preis entscheidend, was rein wirtschaftlich gesehen auch verständlich ist“, sagt Gesa Langenberg.

Zwar sei die Kennzeichnung der Haltungsformen für frisches Schweinefleisch in Supermärkten und Discountern seit 2024 verpflichtend. Eine Kennzeichnung für Fleischprodukte, die außer Haus verzehrt würden wie in Restaurants oder Kantinen, existiere aber noch nicht, so Langenberg. „Das ist sehr schade. Auch wenn wir Nutztierhalter in Deutschland einen extrem hohen Standard erfüllen, sollte eine umfassende Kennzeichnungspflicht eingeführt werden.“

Gesa Langenberg möchte perspektivisch alle ihre Schweine in den modernen Offenställen halten – doch hohe Investitionen und fehlende Förderung bremsen den weiteren Ausbau.

Die ausgewerteten Absatzahlen der Initiative Tierwohl aus dem Jahr 2024 belegen, dass die Konsumenten an der Bedientheke zu 75,2 Prozent Schweinefleisch aus der Haltungsstufe 2 kauften, während es sogar 86,3 Prozent aus dem SB-Regal waren. Die 2024 neu eingeführte Haltungsstufe 5 „Bio” hat einen Anteil von 4,3 Prozent im SB-Regal und 4,7 Prozent an der Bedientheke. Für die Stufe 4 wurden 5,1 Prozent (Theke) und 0,5 Prozent (SB-Regal) gemeldet.

Hohe Investitionen im Ackerbau

Der mit weniger Ausgasungspotenzial belastete Mist und Urin aus den Ställen wird als Dünger zielgerichtet auf den Feldern mit einem so genannten „Section Control System“ ausgebracht. Die Technologie ist dabei so konzipiert, dass sie keine Fläche, und sei sie noch so klein, doppelt besprüht. „Neben Getreide, Weizen, Hafer, Gerste, Raps, Zuckerrüben, Ackerbohnen und Mais bauen wir Kartoffeln an, die zu Kartoffelsalat, Chips, Pommes Frites oder Wedges weiterverarbeitet werden“, beschreibt Gesa Langenberg.

Um die Böden der Nachtschattengewächse auch mit genügend Wasser versorgen zu können, hat der Betrieb eine Beregnungsanlage auf rund 100 Hektar Ackerland installiert. „Je trockener die Böden über einen längeren Zeitraum sind und je mehr Krankheiten auftreten, desto geringer fällt unsere Ernte im Oktober aus. Vor allem müssen unsere Kartoffeln über einen besonders hohen Stärkegehalt verfügen, damit sie beim Backprozess eine bestimmte Farbe erreichen und die Pommes beispielsweise schön kross werden.“ Das bedarf hoher Investitionen, auch in die Bodenbearbeitung. „Wir nutzen Landmaschinen mit Reifendruckregelanlagen, über die wir den Druck auf den Erdboden verringern können und führen unseren Feldern durch die abwechslungsreiche Fruchtfolge viele Nährstoffe zu.“

Technologie im Stall: Chancen fürs Tierwohl

Für Gesa Langenberg bergen künstliche Intelligenz und smarte Stallsysteme viel Potenzial, um zukünftig noch mehr Tierwohl und Klimaschutz zu realisieren. „Wenn wir noch mehr Daten sammeln können, die optimal miteinander vernetzt sind, können wir auch bessere Entscheidungen treffen. Vielleicht gibt es bald ein Ampelsystem, das uns schnellere Unterstützung bei der Tiergesundheit zusichert, so dass wir früher und präventiv agieren können.“

Schon jetzt kann die Landwirtin über ihre Kameras beobachten, wie die Schweine die Ausläufe nutzen, wann sie schlafen oder welche Futterzeiten sie nutzen. Zusätzlich zu den modernen Überwachungskontrollen führt sie gemeinsam mit Mitarbeitern zweimal täglich eine Tierkontrolle in den Ställen durch. „Mehrere Stunden lang gehen meine Mitarbeiter und ich durch die Stallungen und schauen, ob es jedem Tier gutgeht.“ Am Ende sieht oder hört der Mensch doch Details, der eine Technologie vielleicht noch kein Interesse beimisst.

Häufige Fragen zum Thema

1) Was ist Haltungsform 4 bei Schweinen?

Die Haltungsform 4 ist die zweithöchste Stufe der deutschen staatlichen Tierhaltungskennzeichnung und steht für Premium-Bedingungen mit deutlich mehr Platz, stetigem Zugang zu Auslauf oder Weide, gentechnikfreiem Futter und viel Stroh oder Beschäftigungsmaterial, was über gesetzliche Mindeststandards hinausgeht. Haltungsform 2 bietet mindestens 10 Prozent mehr Platz als die gesetzlichen Mindestanforderungen vorschreiben sowie zusätzliches Beschäftigungsmaterial.

2) Warum senkt die Trennung von Kot und Urin Emissionen?

Wenn Kot und Urin getrennt werden, entstehen weniger Bedingungen, unter denen Ammoniak ausgast. Das kann die Emissionsbelastung im Stall reduzieren.

3) Warum sind Offenställe oft teurer?

Mehr Platz, Auslaufbereiche, Stallumbauten und Technik (z. B. Kanalsysteme, Steuerung, Klima) kosten viel Geld – und müssen sich über den Marktpreis refinanzieren.

Wie hilft KI in der Schweinehaltung konkret?

Smarte Systeme können Verhaltensänderungen, Aktivität oder Fressmuster erfassen und früh Hinweise geben – als Unterstützung, nicht als Ersatz für die tägliche Kontrolle.

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