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LauMon Projekt

Digitale Lausitz: Mit Drohnen und Satelliten die Lausitz im Wandel verstehen
Mit dem LauMon-Projekt entsteht erstmals eine umfassende Bestandsaufnahme der Lausitz. Drohnen, Satelliten und Messdaten zeigen, wie sich Wasser, Böden und Vegetation durch Klimawandel und Landnutzung verändern. Die Ergebnisse sollen Landwirt, Naturschutz und Behörden dabei unterstützen, die Region klimaresilient weiterzuentwickeln.
Die Lausitz im Blick Das LauMon-Projekt erfasst die Landschaft der Lausitz mit Drohnen, Satelliten und weiteren Messdaten – vom einzelnen Feld bis zur gesamten Region.
Veränderungen verstehen Die Forschenden untersuchen, wie sich Wasserhaushalt, Böden und Vegetation durch Klimawandel und menschliche Nutzung verändern.
Wissen für die Praxis Die Ergebnisse fließen in ein digitales Informationsportal ein und sollen Landwirt, Naturschutz und Behörden bei künftigen Entscheidungen unterstützen.

Das LauMon‑Projektteam legt den Grundstein für eine einzigartige Bestandsaufnahme der Lausitz mittels Drohnenflügen und Satellitendaten. Die zusammengefassten Ergebnisse sollen später als Planungsgrundlage für alle interessierten Landnutzungsakteure in der Region dienen. Forschende des ZALF steuern eine Bestandsaufnahme der Wasser‑ und Kohlenstoffhaushalte in der Modellregion bei.

Sirrend hebt die kleine Drohne in den blauen Februarhimmel ab. Die Augen gegen die Sonne zusammengekniffen, steuert Nicole Köllner das Fluggerät über die winterkarge Versuchsfläche. Im Rahmen eines Projektes von Land-Innovation-Lausitz hat ein Wissenschaftler hier, auf dem Gelände des Leibniz-Instituts für Gemüse- und Zierpflanzenbau in Großbeeren, Nachtkerzen ausgesät. Die Fläche ist eine erste Versuchsfläche, um zu testen, wie die Nachtkerze mit dem Brandenburger Klima zurechtkommt. Die Drohnenaufnahmen der Diplom-Geologin sollen jetzt zeigen, wo seine Pflänzchen gut gewachsen sind.

„Äußerlich scheint die Wüste sehr statisch. Wenn wir in den Drohnenaufnahmen aber genauer hinsehen, dann können wir beobachten, dass sich die Vegetation verändert und entwickelt – dass auch eine Wüste ein sehr dynamisches Ökosystem ist.“

Dr. Carsten Neumann, GFZ Potsdam

Einmal an ihrem Startpunkt angekommen, macht die Drohne ihre Arbeit von selbst. In 20 Metern Höhe fliegt sie nach einem genau vorgegebenen Muster über das Feld. Dabei macht sie in regelmäßigen Abständen ein Foto, sodass ein vollständiges Bildraster der Versuchsfläche entsteht. Genau genommen schießt das kleine Fluggerät keine einfachen Fotos, sondern multispektrale Bilder. „An der Drohne befinden sich sechs verschiedene Kameras“, erklärt Köllner. „Neben den sichtbaren Anteilen Rot, Grün und Blau nehmen diese auch Strahlung des nahen Infrarots auf.“ Jetzt im Februar sind die winzigen, rosenförmigen Nachtkerzen kaum zu sehen. Mithilfe eines Algorithmus kann die Wissenschaftlerin sie auf den Aufnahmen markieren lassen. So wird auf den ersten Blick sichtbar, wo die Nachtkerzen gewachsen sind und wo nicht. Auch, wie fit die Pflanzen sind, zeigen die Drohnendaten.

Lausitz Monitoring – kurz LauMon heißt das Projekt, für welches die Geologin vom GFZ Potsdam und ihr Kollege Carsten Neumann die Landoberfläche der Lausitz mit Drohnendaten erfassen. LauMon ist eines der 25 Projekte des Bündnisses Land-Innovation-Lausitz (LIL).

Jenny Kröcher (links) bilanziert am ZALF Wasserressourcen sowie Bodenkohlenstoff und forscht zu Vogelvorkommen auf Agrarflächen unter Anwendung verschiedener statistischer Methoden. Dr. Carsten Neumann (mitte) forscht am GFZ zu den Themen Biodiversität, Künstliche Intelligenz und Geofernerkundung. Nicole Köllner (rechts) leitet für das GFZ das Teilvorhaben »Multiskale und -temporale Erfassung von Landschaftsindikatoren zur Überwachung von Transformationsprozessen« innerhalb von LauMon. Fotos: Timo Kledtke, Luise Mösle


Was Satelliten über den Wasserhaushalt der Lausitz verraten

Während Köllner in kleinteiliger Arbeit die Vegetation und Böden der Lausitz kartiert, untersucht ihre Projektpartnerin Jenny Kröcher die Region in größerem Maßstab. Mithilfe von Daten aus Satellitenaufnahmen, Grundwasser- und Pegelmessungen beobachtet die Geoökologin des ZALF, wie der Mensch den Wasserhaushalt der Lausitz in den letzten 30 Jahren verändert hat.

„Gerade auf landwirtschaftlichen Flächen kann ich beobachten, dass die Verdunstung heute früher im Jahr einsetzt als noch vor 30 Jahren“

Jenny Kröcher, ZALF

Alle Daten, die Kröcher dafür braucht, sind frei zugänglich. Ihr Ziel: „Ich entwickle eine Methode, mit der ich auch ohne komplexe Modelle darstellen kann, wie sich der Wasserhaushalt verändert“, erklärt die Wissenschaftlerin. „Vor allem will ich zeigen, dass dies auch in der Lausitz möglich ist, wo Tagebau und Landwirtschaft den Wasserhaushalt stark beeinflussen.“


Besonders interessant ist, was die Geoökologin zum Thema Verdunstung herausgefunden hat. „Gerade auf landwirtschaftlichen Flächen kann ich beobachten, dass die Verdunstung heute früher im Jahr einsetzt als noch vor 30 Jahren“, erzählt sie. Durch den Klimawandel beginnt die Vegetationsperiode zeitiger, und damit beginnen die Pflanzen auch früher, Wasser zu verdunsten. „Gleichzeitig kann ich beobachten, dass die Verdunstung viel früher im Jahr – das heißt schon im Juni – wieder einbricht“, erklärt Kröcher weiter. Daraus kann sie schließen, dass die Pflanzen bereits im Frühsommer nicht mehr ausreichend Wasser zur Verfügung haben.

Kröchers Beobachtungen zeigen, welchen Einfluss der Klimawandel schon heute auf die Vegetation in der Lausitz hat. Wenn die sandigen Böden auch in Zukunft genutzt werden sollen, muss so viel Wasser wie möglich in der Landschaft gehalten werden. „Wir müssen den Grundwasserpegel so weit wie möglich anheben“, sagt die Geoökologin. „Außerdem müssen die Böden, gerade nach der Ernte, besser vor Austrocknung geschützt werden.“

Flug über die Wüste

Nicht nur für die Klimaanpassung der Landwirtschaft liefert das Projekt LauMon Daten. Mit ihren Drohnen überfliegen Köllner und Neumann auch Naturschutzflächen. Eine davon ist Deutschlands größtes Wüstengebiet auf einem Truppenübungsplatz in der Nähe von Cottbus: Die Lieberoser Wüste. Noch haben die beiden keine abschließenden Ergebnisse aus diesen Flügen. Eines kann Neumann aber schon sagen: Die Lieberoser Wüste sei keineswegs eine tote Landschaft. „Äußerlich scheint die Wüste sehr statisch. Wenn wir in den Drohnenaufnahmen aber genauer hinsehen, dann können wir beobachten, dass sich die Vegetation verändert und entwickelt – dass auch eine Wüste ein sehr dynamisches Ökosystem ist“, erzählt er.

Der Blick von oben auf die Lieberoser Heide mit ihren ausgedehnten Sandheiden und Kiefernwäldern. Foto: Beak Consultants, GFZ

So profitieren Landwirtschaft und Naturschutz

Wenn das Projekt LauMon Anfang 2026 zu Ende geht, sollen die Forschungsergebnisse möglichst viel praktischen Nutzen bringen – am besten über die Modellregion Lausitz hinaus. „Unsere Methoden könnten in Zukunft von professionellen Drohnendienstleistern für Landwirte und Naturschützer angeboten werden“, sagt Köllner. Landwirte könnten mit den Drohnendaten Prognosen für ihre Ernten berechnen und untersuchen, an welchen Stellen ihre Flächen gezielt bewässert, gedüngt oder behandelt werden müssen. Auch das Monitoring von verschiedenen Naturschutzmaßnahmen könnten Drohnen in Zukunft vereinfachen – vor allem auf den großen landwirtschaftlichen Flächen der Lausitz.

Auch Kröchers Methode könnte über die Lausitz hinaus angewendet werden. „Behörden könnten unsere Methode nutzen, um den Wasserhaushalt regional zu überwachen“, sagt die Wissenschaftlerin. „Außerdem kann sie helfen, die Renaturierung von Gewässern und Landschaften lokal zu begleiten und effektiv umzusetzen.“

Bis zum Ende des Projektes bleiben den beiden noch einige Monate Zeit. Kröcher wird als nächstes die Entwicklung des organischen Kohlenstoffs in den Lausitzer Böden untersuchen. Köllner möchte mit ihrem Team für jede der aufgenommenen Fläche eine anwendungsbezogene Geschichte erzählen. Diese wird dann als sogenannte Story Map im LIL-Portal für alle zugänglich sein. Am Ende der Projektlaufzeit sollen die Ergebnisse aus dem Projekt LauMon in das LAIZ (Lausitzer Agrar-Informationszentrum) übergehen, ein Informationsportal, welches auch nach Ende des LIL-Bündnisses in der Lausitz bestehen soll. Ein weiterer Schritt hin zu einer digitalen, aber vor allem klimaresilienten Region.

Quelle: Der Beitrag ist zuerst erschienen auf dem querFELDein Blog. Den Originalbeitrag findest du hier.

Häufige Fragen zum LauMon-Projekt

Was ist das LauMon-Projekt?

LauMon (Lausitz Monitoring) ist ein Forschungsprojekt, das die Landschaft der Lausitz mit Drohnen, Satelliten und weiteren Messdaten erfasst. Ziel ist eine umfassende Bestandsaufnahme der Region als Grundlage für zukünftige Entscheidungen.

Warum findet das Projekt in der Lausitz statt?

Die Lausitz befindet sich im Wandel. Klimawandel, Landwirtschaft und der Strukturwandel nach dem Braunkohleabbau verändern Böden, Wasser und Landschaft gleichzeitig. Das macht die Region zu einem wichtigen Modellraum.

Welche Daten sammelt das LauMon-Projekt?

Das Forschungsteam kombiniert Drohnenaufnahmen, Satellitendaten sowie Informationen aus Grundwasser- und Pegelmessungen. So entsteht ein möglichst vollständiges Bild der Landschaft.

Wem helfen die Ergebnisse?

Die Daten unterstützen Landwirt, Naturschutz, Forschung und Behörden dabei, Flächen nachhaltiger zu bewirtschaften und Veränderungen frühzeitig zu erkennen.

Was passiert nach dem Ende des Projekts?

Die Ergebnisse werden in das Lausitzer Agrar-Informationszentrum (LAIZ) überführt und sollen dort langfristig für die Region verfügbar bleiben.

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