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Herkunftssiegel „Gutes aus deutscher Landwirtschaft“

Ein Trecker kennzeichnet Lebensmittel Made in Germany
100 % Made in Germany Das Siegel „Gutes aus deutscher Landwirtschaft“ kennzeichnet Lebensmittel, die vollständig in Deutschland erzeugt, verarbeitet und geprüft wurden.
Klare Entscheidungshilfe Verbraucher:innen erkennen mit einem Blick, ob Fleisch, Milch oder Gemüse wirklich aus Deutschland stammen - das Siegel steht für Herkunft, unabhängige Kontrollen und hohe Standards bei Qualität, Tierwohl und Nachhaltigkeit.
Stärkung der heimischen Landwirtschaft Das Siegel ist ein Gemeinschaftsprojekt von Landwirtschaft, Handel und Industrie – für mehr Sichtbarkeit regionaler Produkte und faire Bedingungen für deutsche Höfe.

 

Hierzulande erzeugt, produziert und verarbeitet- Das zertifizierte Herkunftssiegel „Gutes aus deutscher Landwirtschaft” kennzeichnet Lebensmittel, deren Herstellung und Verarbeitung zu 100 Prozent in Deutschland stattgefunden haben und auf den hiesigen Qualitätssystemen beruhen

Der Einkaufszettel von Lea ist lang. Ihr siebenjähriger Sohn feiert Geburtstag und hat zehn Freunde eingeladen. Seine Mutter plant ein Buffet mit allem, was Kinder lieben: Pommes Frites, Pasta mit Hackfleischsauce, Chicken Nuggets und Geflügelwürstchen. „Wenn die Qualität super ist, spricht nichts gegen diese Leckereien”, denkt sie sich. Lea nimmt sich vor, regionale Produkte zu kaufen. „Dann sind sie bestimmt mehrfach kontrolliert worden und umweltfreundlich, weil keine großen Transportwege zurückgelegt wurden“.

„Lebensmittel, die in Deutschland hergestellt und verarbeitet werden, müssen extrem hohe gesetzliche Anforderungen und Auflagen im Bereich Tier- und Umweltschutz erfüllen.“

Dagmar Klingelhöller, ZKHL

Im Supermarkt mit seiner großen Vielfalt beginnt für die junge Mutter die Qual der Wahl: Allein bei den Würstchen gibt es so viele verschiedene Angebote. Soll sie doch die günstigsten nehmen? Immerhin hat sie viele kleine Gäste mit großem Hunger zu bewirten. „Aber vielleicht wurden die Hähnchen dann irgendwo in kleinen Käfigen gehalten?”, überlegt sie. Ähnlich ist es bei den Pommes Frites, den Chicken Nuggets und dem abgepackten Hackfleisch. Sie weiß nicht, was davon tatsächlich in Deutschland hergestellt und weiterverarbeitet wurde.

Herkunftssiegel Made in Germany

Lea beginnt, die Siegel auf den Verpackungen zu prüfen. QS, DLG, Bio, Ohne Gentechnik, Neuland. Dabei wird Lea auf einen schwarzen Trecker aufmerksam, der über ein Feld in den Deutschlandfarben Schwarz-Rot-Gold zu fahren scheint. „Gutes aus deutscher Landwirtschaft“ steht über der Illustration. „Diese Würstchen können ja nur in Deutschland hergestellt worden sein”, denkt sich Lea. Mehr noch. Auch die Hähnchen, aus deren Fleisch die Würstchen in Deutschland produziert wurden, sind hierzulande aufgewachsen und nach strengen Haltungsvorgaben gehalten worden.

Das im Januar 2024 eingeführte und von unabhängigen Kontrollstellen geprüfte Siegel kennzeichnet Produkte wie Fleisch und Fleischwaren, Obst, Gemüse, Kartoffeln, Pilze sowie frische Eier und Milch, deren Erzeugungs-, Produktions- und Verarbeitungsprozesse ausschließlich in Deutschland stattgefunden haben.

Gemeinsames Projekt von Handel, Landwirtschaft und Industrie

Entwickelt wurde das Kennzeichen von der Zentrale Koordination Handel-Landwirtschaft (ZKHL), einem Zusammenschluss verschiedener Verbände, die die Stufen der Wertschöpfungskette von der Landwirtschaft bis zum Handel repräsentieren. Das gemeinsame Ziel der ZKHL ist, die Herkunft der Lebensmittel, die in Deutschland produziert und bis zum Endprodukt verarbeitet werden, für den Verbraucher einfacher erkennbar und transparent zu machen.

Dagmar Klingelhöller
Vorstandsmitglied Zentrale Koordination Handel-Landwirtschaft

Website ZKHL

„Das Siegel soll die heimischen Produkte und die deutsche Landwirtschaft stärken“, sagt Dagmar Klingelhöller, die zum Vorstand der ZKHL gehört. „Lebensmittel, die in Deutschland hergestellt und verarbeitet werden, müssen extrem hohe gesetzliche Anforderungen und Auflagen im Bereich Tier- und Umweltschutz erfüllen. Diese hohen Standards sorgen automatisch für gute Qualität und Nachhaltigkeit, da die Kontrollen in Deutschland sehr engmaschig sind. Solche Qualitätssysteme sind in vielen anderen Ländern gar nicht gegeben.“

Qualität, Tierwohl und Umweltschutz haben ihren Preis

Auf der anderen Seite hat dies zur Folge, dass deutsche Produkte mit höheren Produktionskosten zu kämpfen haben als teilweise im Ausland hergestellte Produkte. Hinzu kommen im internationalen Vergleich hohe Löhne und Energiekosten. „Preislich sind wir im internationalen Vergleich nicht mehr konkurrenzfähig“, sagt Milchviehhalter Lars Kaper. „Sahne, hergestellt aus deutscher Milch und hierzulande auch abgepackt, ist teurer als Sahne, die beispielsweise aus Rumänien stammt.“

Lars Kaper
Landwirt & Milchviehhalter

Bei Produkten aus Schweinefleisch ist es vielfach noch drastischer. „Die Tierhaltungs- und Tierwohlvorgaben in anderen europäischen Ländern sind lange nicht so hoch wie in Deutschland. „Da können wir allein bei den Ferkelpreisen gar nicht mithalten“, erklärt Dagmar Klingelhöller, die zwei Schweinezuchtbetriebe in Norddeutschland betreibt.

Zwar legen viele Verbraucherinnen und Verbraucher mittlerweile Wert auf Regionalität und Nachhaltigkeit, aber am Ende entscheiden sich viele doch für die günstigste Lebensmittel-Variante. „Wir können die Kaufentscheidungen der Konsumenten nicht beeinflussen“, sagt Lars Kaper. „Aber wir können sie sensibilisieren und versuchen, sie für die Unterstützung der deutschen Landwirtschaft zu gewinnen.“ Wenn die deutschen Landwirtinnen und Landwirte die Preise erhalten würden, die ihre Kosten abdecken und Gewinne zuließen, würden sie diese auch investieren, in beispielsweise noch mehr Tierwohl. Da ist sich Dagmar Klingelhöller ganz sicher.

Kundinnen und Kunden von der deutschen Landwirtschaft überzeugen

„Unser Ziel ist es, dass der Trecker alle anderen individuellen und in ihren Anforderungen nicht immer einheitlichen deutschen Herkunftskennzeichen, die es derzeit im Lebensmitteleinzelhandel gibt, ersetzt“, sagt Lars Kaper. Zahlreiche verschiedene Siegel sind aktuell im deutschen Markt in Umlauf. Viele davon sind nicht zertifiziert. „Durch dieses Überangebot an Kennzeichen achten viele Käuferinnen und Käufer schon gar nicht mehr darauf. Das müssen wir vermeiden“, sagt der Milchviehhalter, auf dessen Hof in der Nähe der Nordsee rund 500 Kühe gehalten werden.

„Unser Zeichen kann die deutsche Herkunft von Bioprodukten genauso abbilden wie Lebensmittel aus konventioneller Produktion. Vor allem müssen wir Landwirte keine Zusatzaufwendungen betreiben, da die Kontrolle des Kennzeichens „Gutes aus deutscher Landwirtschaft“ auf den bereits vorhandenen Qualitätssystemen beruht“, so Dagmar Klingelhöller.

Über 3.000 Produkte sind bereits mit dem schwarzen Traktor gekennzeichnet. Große Handelsketten wie Aldi, Edeka, Kaufland, Lidl, Netto Marken-Discount sowie Rewe, Penny und Norma haben bereits begonnen, das neue Zeichen in ihren Märkten einzuführen. „In unserem Steuerungskreis der ZKHL beraten wir aktuell, welche Zielgruppen wir noch erreichen möchten. Dazu zählen die Gastronomie und Kantinen. Doch auch bei deren Kaufentscheidungen steht noch immer der Preis im Mittelpunkt“, erzählt Lars Kaper.

Eine weitere Herausforderung stellen Produkte dar, die aus mehreren Zutaten bestehen wie Joghurt mit Kiwi-Stücken aus Neuseeland oder Tiefkühlpizza mit deutscher Salami, deutschem Käse und spanischer Paprika. „Die Vereinbarungen zwischen dem deutschen Lebensmittelhandel und den Verbänden der deutschen Landwirtschaft bestehen erst einmal für drei Jahre. In der Zeit wollen wir weiter wachsen und die Verbraucherinnen und Verbraucher und Verbraucherinnen davon überzeugen, dass die Qualität der Produkte, die in Deutschland produziert und verarbeitet werden, in Kombination mit der Nachhaltigkeit, die sie gewährleisten, ihren Preis wert sind,“ sagt Dagmar Klingelhöller abschließend.

Mittlerweile ist Lea mit ihren Einkäufen fertig. Zuhause beginnt sie mit den Vorbereitungen für das Buffet. „Das sieht nicht nur lecker aus, es schmeckt auch alles sehr gut”, freut sich die junge Mutter. Sie ist froh, dass sie sich für Lebensmittel aus Deutschland entschieden hat. „Da weiß ich, dass ich gute Qualität zu einem fairen Preis bekomme und noch etwas für die Umwelt und das Tierwohl tue.“

Mehr Informationen zum Siegel „Gutes aus deutscher Landwirtschaft“

Titelbild: Tara Clark auf Unsplash

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