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Strohschweine

Strohschweine - bessere Haltung, bessere Qualität
Mehr Platz für Schweine
Gesundes Futter vom eigenen Feld Roggen, Gerste und andere hofeigene Futtermittel verbessern Tiergesundheit und Fleischqualität.
Ausgezeichnetes Stallkonzept Der Hof Hohls investiert Millionen in mehr Tierwohl und Klimaschutz. Dafür gab es bereits Preise und politische Anerkennung.

Landwirt Jan-Hendrik Hohls hat sich auf die Haltung von Strohschweinen spezialisiert. Bei ihm können die Tiere nach Herzenslust wühlen, fressen, spielen oder im Außenbereich ein Nickerchen halten. Eine Erfolgsgeschichte für mehr Tierwohl und eine bessere Fleischqualität

„Betten machen“ ist angesagt auf dem landwirtschaftlichen Betrieb der Familie Hohls im niedersächsischen Becklingen. Bis zu dreimal täglich rieselt mithilfe der automatischen Einstreumaschine frisch duftendes Stroh gleichmäßig in die großen Boxen der beiden sonnendurchfluteten Strohmastställe.

„Es ist sehr wichtig, dass den Schweinen den ganzen Tag lang Beschäftigungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen.“

Für die Strohschweine ein saumäßig schönes Glücksgefühl: Mit großer Inbrunst wühlen die Tiere mit ihrem Rüssel durch die Einstreu. Es macht Spaß, ihnen dabei zuzuschauen, denn sie bewegen sich frei durch die geräumigen Abteile und können nach Lust und Laune jederzeit aus den Futterboxen fressen oder sich auf der Freifläche außerhalb des Stalls aufhalten. Komplettiert wird die Umgebung der Haltungsstufe 4 durch ein tierisches Beschäftigungsprogramm. „Es ist sehr wichtig, dass den Schweinen den ganzen Tag lang Beschäftigungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Je größer die Anzahl an Entscheidungen, die ein Tier treffen kann, desto ruhiger und zufriedener ist es“, erklärt Landwirt Jan-Hendrik Hohls mit Nachdruck.

Ringelschwanz bleibt dran

Der Diplom-Agraringenieur, der mit seiner Frau Claudia seit 2010 den elterlichen Hof in der Lüneburger Heide bewirtschaftet, setzt sich mit viel Sachverstand und Herzblut dafür ein, dass es seinen Schweinen rundum gut geht. Mit wachem Blick kontrolliert der 46-Jährige gemeinsam mit der Familie sowie vier Mitarbeitenden bis zu sechsmal täglich die einzelnen Stallungen.

320 Muttersauen, 3500 Mastschweine und 2000 Ferkel werden auf dem Hof gehalten Foto: Trutsche | Photothek.de

Der Landwirt begleitet die Tiere von der Geburt an bis zum Transport in den nahegelegenen Schlachthof. 320 Muttersauen, 3500 Mastschweine und 2000 Ferkel werden aktuell auf dem Betrieb gehalten. Fast alle Schweine haben einen Ringelschwanz, das natürliche „Stimmungsbarometer“ der Tiere. Für Jan-Hendrik Hohls ein weiteres entscheidendes Zeichen für mehr Tierwohl. „Damit unter den Schweinen kein Stress entsteht und sie sich nicht gegenseitig in den Schwanz beißen, legen wir sehr viel Wert darauf, dass die Tiere ein hochwertiges und reichhaltiges Futter bekommen. Denn nur satte Schweine sind glückliche Schweine“, betont der dreifache Vater. Sollte es dennoch zu Unstimmigkeiten zwischen den Tieren kommen, wird konsequent mit weiterem Beschäftigungsmaterial dem Schwanzbeißen entgegengewirkt, bis wieder Ruhe in der Gruppe herrscht.

Futter macht den Unterschied

Hohls weiß genau, was seinen Tieren schmeckt und ihnen gut bekommt. Der Großteil des Futters – darunter viel Roggen und Gerste – stammt aus der eigenen Landwirtschaft und wird ohne den Einsatz von Gentechnik auf den 200 Hektar großen Feldern angebaut. Rund 7,5 Tonnen Futter, das in der Mahl- und Mischanlage direkt auf dem Hof hergestellt wird, fressen die Schweine jeden Tag. Das gesunde rohfaserhaltige Futter wirkt sich auf die Qualität und den Geschmack des Fleisches aus, weiß der Schweineexperte. „Das Fleisch unserer Strohschweine hat kein wässriges Schwabbelfett, sondern weist eine feste Struktur und eine feine Fettmarmorierung auf.“

Abwechslung im Stall

Schlagen trotz des guten Futters und der ausreichenden Beschäftigung die Ringelschwänze im wahrsten Sinne einmal Alarm, dann hilft ein Griff in die Trickkiste. „Für solche Momente habe ich eine besondere Überraschungsbox parat. Wie bei streitenden Kindern wirkt diese meistens sofort“, verrät der Schweinehalter. Bälle, Seile, ein Sack voll Fischmehl, eine Schaufel Silage von der Biogasanlage oder ein Bund Heu bringen Abwechslung in den Stallalltag und sorgen bei den Schweinen wieder für gute Laune.

Ausgezeichnetes Stallkonzept

Das nachhaltige Stallkonzept von Familie Hohls wurde bereits mehrfach ausgezeichnet, so zum Beispiel 2021 mit dem Innovationspreis der Initiative Tierwohl mit Partnern aus der Fleischindustrie oder mit dem Preis der Tiergesundheit 2022. Über 4,5 Millionen Euro hat Jan-Hendrik Hohls in den letzten Jahren in die Umbauarbeiten für mehr Tierwohl und Klimaschutz investiert. „Wir haben das Glück, dass viele Verbraucher in der Region unsere Produkte zu schätzen wissen und bereit sind, dafür einen höheren Preis zu zahlen. Aber wir brauchen zusätzlich staatliche Transferleistungen, sonst würden wir das nicht hinbekommen“, bekräftigt der Betriebsinhaber.

Gesundes Futter und das Stall­konzept von Hohls sorgen für ein hohes Maß an Tierwohl. Davon überzeugte sich auch Bundeslandwirtschafts­minister Cem Özdemir Foto: Trutsche | Photothek.de

Wissensaustausch fördern

Sein großes Fachwissen gibt Jan-Hendrik Hohls an Berufskollegen, Berater und Behörden weiter. Auch Amtstierärzte sind regelmäßig auf dem Hof zu Gast und erhalten Einblicke in das besondere Haltungskonzept. Zu den Besuchern zählte ebenfalls Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft Cem Özdemir. Der Politiker, der seit seinem 17. Lebensjahr Vegetarier ist, zeigte sich beeindruckt von der ganzheitlichen Schweineaufzucht und Haltung. „Er war sehr interessiert, und wir haben uns gegenseitig viele Fragen gestellt und uns ausgetauscht. Zum Schluss saß der Minister mitten im Stall und hat mit den Ferkeln gespielt“, erinnert sich Hohls lachend.

Pläne für die Zukunft

In den kommenden Jahren möchte der engagierte Landwirt weitere Maßnahmen zur Steigerung des Tierwohls und des Klimaschutzes umsetzen. „Wenn wieder genug Geld in der Kasse ist, möchte ich gerne am Sauenstall einen Auslauf anbauen. Außerdem sollen die noch freien Dächer auf dem Hof mit Foto­voltaikanlagen ausgerüstet werden, das wird unser nachhaltiges Hofkonzept perfekt abrunden.“

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