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Regenerative Landwirtschaft in Vorpommern

Junglandwirt geht neue Wege auf dem Siebenseenhof
Siebenseenhof in Vorpommern Jonas Klänhammer führt den 150 Jahre alten Familienbetrieb in Penkun fort und bringt eigene Ideen für eine nachhaltige Zukunft ein.
Jonas setzt auf regenerative Methoden Mit Strip-Till, Direktsaat und neuen Weidestrategien setzt Jonas auf Methoden, die Boden und Wasser schonen und langfristig fruchtbar halten.
Tierhaltung schließt Kreislauf Seine Mutterkühe schließen natürliche Nährstoffkreisläufe, verbessern die Bodengesundheit und schaffen Lebensraum für mehr Artenvielfalt.

Klimaschutz als Chance nutzen: Jonas Klänhammer setzt auf dem Siebenseenhof innovative Verfahren zur schonenden Bodenbearbeitung ein

Für Jonas Klänhammer ist es der perfekte Start in den Tag: Jeden Morgen schwingt sich der Junglandwirt bei Wind und Wetter auf seinen Drahtesel. Vorbei an glitzernden Seen radelt der 25-Jährige rund eineinhalb Kilometer die sanfte Hügellandschaft entlang, bis er den elterlichen Hof am Ortsrand von Penkun erreicht. Hier in der südöstlichsten Region Mecklenburg-Vorpommerns verwirklicht Jonas Klänhammer seinen Traum von einer modernen und klimaschonenden Landwirtschaft. Die über 150 Jahre alte Familientradition lebt weiter. „Schon mein Urgroßvater und mein Großvater waren in Penkun Landwirte. Nach der Wiedervereinigung hat sich mein Vater 1990 mit einer Hofstelle selbstständig gemacht“, erklärt der junge Bauer. Seit 2021 ist Jonas Klänhammer im väterlichen Betrieb angestellt, der auf Schweinemast spezialisiert ist und auf einer 450 Hektar großen Fläche Ackerbau betreibt.

Tiere sind wichtig, um den Nährstoffkreislauf auf einem landwirtschaftlichen Betrieb sicherzustellen

Neue Projekte auf dem Siebenseenhof

Auch wenn Vater und Sohn ein eingespieltes Team sind, stand für den Junior schnell fest, dass er seine eigenen Projekte vorantreiben möchte. Dafür gründete Jonas Klänhammer vor drei Jahren während seines Masterstudiums in Agrarwissenschaft an der Hochschule Neubrandenburg einen Nebenerwerbsbetrieb, den Siebenseenhof. Seine Eltern unterstützten den Sohn bei seiner Existenzgründung und verpachteten ihm 40 Hektar Ackerland. „25 weitere Hektar Anbaufläche sowie 7,5 Hektar Grünland habe ich dazugepachtet“, sagt der Vorpommer. Außerdem ist er stolzer Besitzer einer Mutterkuhherde, die inzwischen auf 20 Tiere angewachsen ist und ganzjährig auf der Weide gehalten wird. „Tiere sind wichtig, um den Nährstoffkreislauf auf einem landwirtschaftlichen Betrieb sicherzustellen“, betont Klänhammer.

Minimale Bodenbearbeitung

Neben der täglichen Arbeit investiert der junge Betriebsleiter des Siebenseenhofs viel Zeit, um sich fortzubilden. Stundenlang recherchiert er im Internet, besucht Fachmessen und tauscht sich mit Kollegen in den sozialen Netzwerken aus. Sein Ziel: eine nachhaltige Landwirtschaft, die Klimaschutz, Tierwohl und Wirtschaftlichkeit vereint.

„Extreme Wetterereignisse wie Hitze, Dürreperioden und Starkregen nehmen in Mecklenburg-Vorpommern stetig zu und stellen eine immense Herausforderung dar“, sagt er. Um die Kulturpflanzen vor Winderosionen zu bewahren und die Trockenheit auf den Feldern zu lindern, reduziert Jonas Klänhammer die Bodenbearbeitung auf ein Minimum. Für den Junglandwirt ist dies ein bedeutendes Zukunftsthema. Denn grundsätzlich gilt: Je weniger der Boden bearbeitet wird, desto stabiler ist er und kann besser Wasser aufnehmen und speichern.

Im Strip-Till-Verfahren den Boden streifenweise auflockern

Auf einer 14 Hektar großen Testfläche setzt der Landwirt deshalb seit einem Jahr eine besonders bodenschonende Methode ein, das Strip-Till-Verfahren. „Das bedeutet, dass wir keine ganze Fläche mehr pflügen, sondern den Boden nur in schmalen Streifen auflockern. Dadurch bleibt die Bodenstruktur intakt, und es kommt zu einer besseren Wasserdurchlässigkeit und einem stärkeren Wurzelwachstum“, erläutert Klänhammer die Vorteile des Anbauvorgangs. Ein weiterer entscheidender Mehrwert: Die Streifenbearbeitung, Düngung und Aussaat erfolgen in nur einem Arbeitsschritt. Das spart wertvolle Arbeitszeit und reduziert den Dieselverbrauch.

Statt zu pflügen lockert der junge Landwirt seinen Boden in schmalen ­Streifen auf und düngt und sät in einem Arbeitsgang. Das ist bodenschonender. Foto: Siebenseenhof

Mit Direktsaat auf Bodenbearbeitung verzichten

Mit seiner neuesten Errungenschaft, einem Traktor mit dazugehöriger Sämaschine im Gesamtwert von über
120.000 Euro, will der Landwirt künftig durch den Einsatz von Direktsaat ganz auf die Bodenbearbeitung verzichten. Von dem nachhaltigen Ackerbausystem ist er überzeugt. „Mithilfe der Sämaschine wird das Saatgut in schmalen Schlitzen auf dem unbearbeiteten Boden abgelegt. Die Erntereste der vorherigen Kultur bleiben als Mulchdecke an der Oberfläche des Bodens zurück“, erklärt Klänhammer. „So verbessern wir die Bodenfruchtbarkeit, und Bodenerosionen werden verringert.“

Durch das Strip-Till-Verfahren bleibt die Bodenstruktur intakt

Mob Grazing – Weidetiere als Bodenhelfer

In diesem Jahr will der experimentierfreudige Betriebsleiter einen weiteren Versuch zur Belebung des Ackerbodens starten. Mob Grazing heißt das Zauberwort. Dahinter verbirgt sich eine innovative Weidestrategie, die in Deutschland bisher nur von wenigen Landwirten genutzt wird. „In kleinen, durch Mobilzäune begrenzten Parzellen weiden die Mutterkühe circa 24 Stunden lang die Zwischenfrüchte auf dem Acker ab“, beschreibt Jonas Klänhammer die nachhaltige Weidehaltung. „Die Tiere fressen dabei nur den oberen Teil der Pflanzen ab, der Rest wird mit den Hufen in den Boden getrampelt. Zurück bleibt eine Mulchschicht, die den Boden vor Trockenheit schützt und ihm wertvolle Nährstoffe zuführt“, so Jonas.

Jonas Klänhammer (r.) ist auf dem elterlichen Betrieb angestellt und bewirtschaftet zusätzlich einen eigenen Hof mit einer Mutterkuhherde. Sein Verlobter Simeon schenkte ihm Kuh Charly. Foto: Siebenseenhof

Kuh Charly – die eigenwillige Hofdiva

Bis Jonas Klänhammer die Hofnachfolge seines Vaters übernimmt, will er noch viele Projekte auf seinem Siebenseenhof in die Tat umsetzen. Ruhe, um neue Pläne zu schmieden, findet er auf der Kuhkoppel. Dort wartet Charly auf ihn. „Ich habe sie von meinem Verlobten Simeon zum Geburtstag geschenkt bekommen. Die Dame ist sehr eigen. Wenn ich sie rufe und ich keinen Leckerbissen dabeihabe, dann ist Charly richtig beleidigt.“ Apropos Kuh: Jonas hat noch einen ganz bestimmten Traum, den er sich erfüllen möchte: „Ich würde gerne einmal eine Kuh vor die Kutsche spannen!“ Ob sich die eigenwillige Charly als Kutschen-Kuh eignet, bleibt abzuwarten.

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