Stark auf dem Acker, stark im Dialog: Jonas Karl Klänhammer bringt Menschen ins Gespräch und zeigt, wie lebendig, kreativ und nahbar moderne Landwirtschaft heute sein kann.
Zwei Dutzend Kinderhände kneten in der nassen Erde. Auf den Tischen verstreut liegen kleine Klumpen aus Lehm und Samenkörnern. „Schön fest drücken“, sagt Jonas Karl Klänhammer und beugt sich zu einem Siebtklässler herunter, der konzentriert versucht, eine Samenbombe in Form zu bringen. Es ist eine dieser Zauberkugeln, aus denen später bunte Blumen sprießen.
„Man muss die Kinder möglichst früh erreichen.“
Jonas Klänhammer
Landwirtschaft im Klassenzimmer
Eigentlich hätte die Regionalschulklasse an diesem Tag den Siebenseenhof des Jung-Landwirts in Penkun in Mecklenburg-Vorpommern besucht. Doch strömender Regen machte den Klassenausflug unmöglich. Für den 27-Jährigen stand sofort fest: Wenn die Kinder nicht zu ihm auf den 150 Jahre alten Familienbetrieb kommen können, dann kommt der Hof eben zu ihnen. Und so verwandelte der Landwirt das Klassenzimmer an diesem Vormittag spontan in einen naturnahen Erlebnisraum.
Agrarwissen frühzeitig vermitteln
„Was für Samen stecken eigentlich in den Bomben?“, möchte ein Mädchen wissen. „Und wo werfen wir die später hin?“ Klänhammer nimmt sich Zeit für jede Frage. Geduldig erklärt er den Kindern, wie aus den unscheinbaren Kugeln schon nach wenigen Wochen Sonnenblumen, Wicken, Erbsen und Klee wachsen, die Bienen und anderen Insekten als Nahrungsquelle dienen. Auch große Gläser mit verschiedenen Getreidesorten hat er mitgebracht.

Neugierig nehmen die Schülerinnen und Schüler die Behälter unter die Lupe und ertasten vorsichtig die Weizen-, Hafer-, Gersten- und Roggenkörner auf ihren Handflächen. Klänhammer greift ihre Beobachtungen auf und nutzt den Moment, um Einblicke in seine Arbeit zu geben. „Man muss die Kinder möglichst früh erreichen“, betont der studierte Agrarwissenschaftler. „Wenn sie verstehen, wo unsere Lebensmittel herkommen und welche Prozesse dahinterstecken, entwickeln sie ein viel besseres Bewusstsein für die Landwirtschaft und die Produkte, die daraus hervorgehen.“ Auch mit älteren Schulklassen tauscht er sich aus. „Es ist oft eine echte Herausforderung, mit Jugendlichen über vegane und tierische Ernährung zu sprechen. Viele bringen bereits eine vorgeprägte Meinung aus ihrem Elternhaus oder ihrem Freundeskreis mit, aber genau das ist es, was den Dialog dann so spannend macht.“

10 Jahre AgrarScouts
Dialog lebt von Menschen
Als AgrarScout engagiert sich Jonas Klänhammer für offenen Austausch und mehr Verständnis rund um moderne Landwirtschaft. Seine Geschichte ist Teil von „10 Jahre AgrarScouts – Dialog lebt von Menschen“.
Seit zehn Jahren bringen AgrarScouts Landwirtschaft und Gesellschaft ins Gespräch.
Zum Jubiläum erzählen zehn AgrarScouts ihre persönlichen Geschichten und zeigen, wie Dialog Verständnis schafft.
Innovationen in der Landwirtschaft sichtbar machen
Ob Schulkinder oder junge Erwachsene: Es sind die direkten Begegnungen mit den Menschen, die ihm wichtig sind. Als AgrarScout sucht Klänhammer seit 2020 gezielt das Gespräch mit Verbraucherinnen und Verbrauchern, aber auch mit Politikerinnen und Politikern. Seine Botschaft ist klar: „Es geht mir darum, Innovationen unserer Arbeit sichtbar zu machen und aufzuzeigen, wie sich die Branche ständig weiterentwickelt“, sagt Jonas Karl Klänhammer, der sich ebenfalls in der Arbeitsgruppe „Zukunftsbauern“ des Deutschen Bauernverbands engagiert.
Mit Mob Grazing gegen die Dürre
Seit seinem 22. Lebensjahr bewirtschaftet der Landwirt seinen Betrieb im Nebenerwerb mit rund 70 Hektar Acker- und Grünland. Auch 20 Rinder, darunter seine Lieblingskühe Charly und Josi, die Klänhammer und sein Ehemann Simeon zur Hochzeit geschenkt bekommen haben, gehören dazu. Der Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf der Umsetzung regenerativer landwirtschaftlicher Prozesse, mit denen er bereits erfolgreich gestartet ist.

Um besser gegen die zunehmenden Dürreperioden in der heimischen Region gewappnet zu sein, setzt Klänhammer auf dem SiebenSeenhof zukünftig auf ein nachhaltiges Weidemanagement, kurz Mob Grazing genannt. Erste Versuche dazu wurden bereits 2024 unternommen. „Das ist so etwas wie ein kleiner Rinder-Flashmob auf der Weide“, beschreibt er lachend. „Meine Rinderherde beweidet für einen sehr kurzen Zeitraum einen kleinen Flächenabschnitt und zieht danach weiter“, erläutert er. Das innovative Weidekonzept kommt vor allem dem Boden zugute. Die Tiere trampeln mit ihren Hufen beim Abgrasen einen großen Teil der Pflanzen nieder. Dadurch entsteht eine nährstoffreiche Mulchschicht, die den Boden langfristig vor Austrocknung und Erosionen schützt.
Aus Theorie wird Praxis
Sein Wissen gibt Jonas Klänhammer auch an Landwirte von morgen weiter. Einmal pro Woche unterrichtet er als Dozent an der Hochschule Neubrandenburg rund 50 Studierende im Bachelor- und Masterstudiengang Agrarwirtschaft in den Fächern Landtechnik und Stallbau. Damit es nicht nur bei der Theorie bleibt, lädt er die Kursteilnehmenden während des Semesters auf seinen Hof ein. „Landwirtschaft lernt man nicht nur aus Büchern. Viele Zusammenhänge werden erst in der Praxis deutlich. Während der Hofbesuche haben die Studierenden deshalb auch die Möglichkeit, die unterschiedlichen Maschinen live zu erleben.“

Virtuelle Einblicke
Digitale Medien bindet der junge Landwirt selbstverständlich in seinen Arbeitsalltag ein. Über seinen Instagram-Kanal siebenseenhof nimmt er seine virtuellen Gäste mit aufs Feld. In seinen „Acker-Checker“-Videos zeigt der clevere Dialogmacher beispielsweise nicht nur, wie er Lupinen auf dem Feld aussät, sondern auch, was sich kulinarisch aus der Ackerfrucht zubereiten lässt. „Lupinen sind eine supercoole heimische Proteinquelle“, schwärmt der Landwirt.

In seiner Küche experimentiert er regelmäßig mit neuen Gerichten. „Der Lupinen-Döner ist richtig lecker“, erzählt er. „Als nächstes möchte ich Lupinen-Schnitzel ausprobieren. Und traditionelle Gerichte aus Rindfleisch, die ein bisschen in Vergessenheit geraten sind.“ Lust aufs Essen zu machen, ist sein Ziel. „Wenn ich nur einen Zuschauer dazu bewegen kann, die Zutaten nachzukaufen und das Gesehene nachzukochen, habe ich schon viel erreicht“, erklärt der Hobby-Koch. Die Liebe zur Landwirtschaft geht eben auch durch den Magen.