Ob mit Wohnmobil, Campervan, Dachzelt oder Wohnwagen: Als Mitglied von Landvergnügen können Reisende bei mehr als 2.100 Höfen in Deutschland, Österreich und der Schweiz stehen. Die Landwirte profitieren von einer interessierten Kundschaft.
Wenn Familie Schulz eine kurze Auszeit braucht, steigt sie einfach ins Wohnmobil und fährt los. Aber nicht auf einen Campingplatz, sondern auf einen der Stellplätze aus der Landvergnügen-App. Sie befinden sich auf Milchviehbetrieben, bei Brauereien, auf Alpakahöfen oder bei Winzern. „Meistens entscheiden wir danach, welche Tiere unsere vierjährige Tochter sehen möchte“, sagt Annika Schulz. So standen sie schon neben Kuhweiden, Hühnermobilen oder in der Nähe eines Schafstalls.
„Wir schaffen authentische Begegnungen“
Ole Schnack, Geschäftsführer Landvergnügen
Über 2.100 Höfe entdecken
Mehr als 2.100 Höfe in Deutschland, Österreich und der Schweiz gehören zum Netzwerk von Landvergnügen. Sie empfangen Reisende mit Wohnmobil, Campervan oder Caravan-Gespann. Zelten ist nicht erlaubt, lediglich Dachzelte sind gestattet. Jeweils 24 Stunden dürfen die Reisenden bei den Gastgebern stehen. In der Regel haben die Höfe maximal drei Stellplätze, das bedeutet: Ruhe und persönlicher Austausch statt Massenabfertigung.

Win-Win für Höfe und Reisende
Als Gastgeber profitieren die landwirtschaftlichen Betriebe in vielfacher Hinsicht. Wenn sie einen Hofladen, einen Regiomaten, ein Café oder eine Gastwirtschaft haben, bekommen sie eine interessierte Kundschaft frei Haus. In der Regel kaufen die Camper großzügig ein. „Je nach Angebot können das frische Frühstückseier und hausgemachter Ziegenkäse, selbstgezogenes Bio-Gemüse oder Wein vom Winzer sein“, sagt Ole Schnack, der das Konzept vor mehr als zwölf Jahren von Frankreich nach Deutschland geholt hat. Den Stellplatzführer „France Passion“ hatte er im Urlaub kennengelernt und die Gastfreundschaft französischer Landwirte so genossen, dass er die Idee unbedingt verbreiten wollte. Später kamen Österreich und die Schweiz zum Landvergnügen-Netzwerk hinzu.

„Wir schaffen authentische Begegnungen“, ist Ole Schnack überzeugt. Für Menschen aus der Stadt stelle es eine große Bereicherung dar, wenn sie hinter die Kulissen eines landwirtschaftlichen Betriebs schauen könnten, wenn sie sehen, wo ihre Lebensmittel herkommen, so der Berliner. Landwirte hingegen, die selbst oft wenig Urlaub haben, empfangen interessierte Gäste, die manchmal sogar wiederkehren oder ihnen als Kunden aus der Ferne treu bleiben, indem sie Wein, Käse oder sogar Brot direkt vom Erzeuger bestellen.
Stellplatz gegen Schnaps
Walter Zeitz, Whisky-Brenner aus der Rhön, konnte den Gewinn seines Hofladens dank Landvergnügen deutlich steigern. Gleich bei der Anmeldung lädt er die Reisenden zu einer Verkostung in seiner Brennerei auf dem Sturmiushof in Unterfranken ein. Ohne eine Flasche seiner preisgekrönten Schnäpse fährt kaum ein Reisender vom Hof.

Wer mit Landvergnügen reist, sollte spontan sein und sich gerne auf Neues einlassen. Denn jeder Hof ist anders. Mal stehen die Camper an einem Bach, mal am Hofladen, dann wieder auf einer Streuobstwiese. Bei rund der Hälfte der Höfe ist eine Reservierung bis zu sieben Tage im Voraus über die App möglich. Ansonsten reicht ein Anruf 24 Stunden vor Anreise. Einige Gastgeber bieten gegen einen Obolus Wasser, Strom oder WC an. Am meisten Auswahl hat aber, wer autark unterwegs ist, also über eine Boardtoilette verfügt. Hunde sind auf vielen Höfen erlaubt. Informationen wie diese können die Reise bequem in der App filtern. Ein Routenplaner hilft ihnen, passende Gastgeber entlang ihrer Strecke zu finden.
Die Jahresmitgliedschaft bei Landvergnügen kostet 69,90 Euro. Mehr Informationen unter www.landvergnuegen.com.
Fragen & Antworten zum Hofurlaub mit Landvergnügen
Wie funktioniert Landvergnügen?
Du zahlst eine Jahresmitgliedschaft und bekommst Zugang zu einer App mit Stellplätzen auf landwirtschaftlichen Betrieben. Dort kannst du jeweils bis zu 24 Stunden stehen.
Was kostet Landvergnügen?
Die Mitgliedschaft kostet aktuell 69,90 Euro pro Jahr.
Brauche ich eine Reservierung?
Bei etwa der Hälfte der Höfe kannst du vorab reservieren. Oft reicht aber auch ein Anruf 24 Stunden vor Anreise.
Welche Fahrzeuge sind erlaubt?
Wohnmobile, Campervans und Wohnwagen sind erlaubt. Klassisches Zelten ist nicht möglich, Dachzelte hingegen schon.