Um die Natur zu schützen, Zeit und Ressourcen zu sparen und ertragreich zu wirtschaften, stellte Andreas Dörr seinen Hof in vielen Bereichen hoch technologisch auf. Künstliche Intelligenz, ein digitaler Zwilling und ein selbst entwickeltes Planungstool unterstützen sein Team. Schon bald soll ein virtueller Assistent hinzukommen
„Liegt die Zahl unterhalb der Schadschwelle, greifen wir nicht ein.“
Andreas Dörr
Eine Hügellandschaft mit Wasserverläufen und ein ausgedehntes Naturschutzgebiet umgeben den Betrieb von Andreas Dörr und seiner Familie. Das rund 1.450 ha große Acker- und Grünland in der mittelgebirgsgeprägten Rhön verteilt sich über unterschiedlich große Felder und Flurstücke. Dabei baut Dörr auf dem rund 1000 ha großen Ackerland Weizen, Brau- und Futtergerste sowie Dinkel, Erbsen, Raps und weitere Energiepflanzen an. Neben modernsten Landmaschinen wie zum Beispiel einer 36 Meter breiten Spritze mit Düsen, die einzeln angesteuert und deren Tröpfchenspektrum sich automatisch verändert, setzt der bayerische Landwirt eine selbst entwickelte App ein, die all seine Flächen sowie Geo-Daten von Behörden digital abbildet. „Durch unsere Lage müssen wir viele Naturschutzauflagen einhalten. Unser Planungstool zeigt an, ob zum Beispiel bestimmte Abstände zu Gewässern bei der Pflanzenschutzausbringung zu beachten sind.“ Auch für sein 500 ha großes Grünland, auf dem er Heu für Pferdehöfe produziert, gelten strenge Vorgaben, die ebenfalls über die App abrufbar sind.
Mit digitalen Werkzeugen landwirtschaftliche Betriebe managen
Dank digitaler Werkzeuge spart der Landwirt Zeit und Ressourcen ein und kann beispielsweise ganz gezielt und umweltschonend Pflanzenschutzmittel ausbringen. „Mithilfe von Satellitendaten erstellen wir exakte Flächenanalysen, die wiederum in Applikationskarten einfließen. Die Daten geben genau Auskunft darüber, welche Pflanzen wieviel Schutz benötigen. Das wird in unseren Maschinen gespeichert“, erklärt Dörr. „Auf diese Weise reguliert die Pflanzenschutzspritze automatisch die Mengenausgabe der Pflanzenschutzmittel über jede einzelne Düse.“

Auch bei der Schädlingsfrüherkennung setzt der Landwirt, der 2023 den 2. Platz des Bayerischen Digitalpreises belegte, auf künstliche Intelligenz: „In unseren Rapsfeldern stellen wir digitale Gelbschalen auf. Diese sind mit Kameras und einer Software mit KI ausgestattet. Sollten sich Rapsglanzkäfer darauf niederlassen, erhalte ich über mein Mobiltelefon eine Warnung“, erläutert der Diplom-Agrar-Ingenieur. Gleichzeitig misst das System, ob die Schädlinge in einer hohen Anzahl auftreten, sodass die Schadschwelle übertreten und die Ernte in Gefahr ist. „In dem Fall muss ich reagieren. Liegt die Zahl aber unterhalb der Schadschwelle, greifen wir nicht ein“, sagt Dörr.
Das Ertragsniveau mit weniger Ressourcen erreichen
Sehr vorausschauend hat Andreas Dörr 2023 einen digitalen Zwilling, also ein 3D-Abbild, seines Betriebes erstellt. Dabei hat eine Drohne den Hof und die Felder aus unterschiedlichen Winkeln gescannt. „Durch unsere Nähe zum Naturschutzgebiet und unseren unterschiedlichen Ackerflächen und dem Grünland müssen wir extrem viele Auflagen erfüllen“, erklärt der Landwirt. Im virtuellen Abbild des Betriebes sind hierzu alle Informationen gespeichert, die bei Arbeitsmaßnahmen und Planungen schnell und unkompliziert abgerufen werden können. „Bei der Grünlandmahd müssen bei den Mäharbeiten Wildtierschutz- und andere Vorgaben berücksichtigt werden. In dem Fall checke ich auf dem Tablet, welche Auflagen für welche Wiese gilt. Das vereinfacht die Arbeit ungemein“, so Dörr.




Schon bald soll noch ein virtueller Assistent hinzukommen: Mit dem amerikanischen
IT-Unternehmen IBM arbeitet der Landwirt an einem Projekt, bei dem ein System mit Gesetzen und Forschungstheorien „gefüttert“ wird, die per Handy abgerufen werden können. Ein Beispiel: „Bei der Arbeitsplanung informiert mich der Assistent darüber, dass bei einem bestimmten Areal 10 Prozent Schonfläche stehengelassen werden muss. Das bedeutet, ich muss nicht lange recherchieren, sondern erhalte die Info per Handyabfrage.“
Sogar Mäuse will Dörr mithilfe von KI fangen. „Die Nager können zu einer echten Plage werden. Ich arbeite daran, mit einer Drohne oder einem Roboter gezielt über eine Bilderkennungssoftware Mäuselöcher auf Feldern auszumachen.“ Sollte Andreas Dörr das Projekt realisieren können, fängt er zukünftig nicht nur Rapsglanzkäfer mit künstlicher Intelligenz sondern auch noch Mäuse…
Was ist ein digitaler Zwilling in der Landwirtschaft?
Ein digitaler Zwilling ist ein virtuelles 3D-Abbild eines landwirtschaftlichen Betriebs. Es enthält Informationen zu Flächen, Maschinen und Vorgaben und hilft bei der Planung und Umsetzung von Maßnahmen.
Wie funktioniert Schädlingsfrüherkennung mit KI?
Digitale Gelbschalen mit Kameras erfassen Schädlinge wie den Rapsglanzkäfer. Eine KI wertet die Bilder aus und informiert automatisch, wenn ein kritischer Schwellenwert erreicht wird.
Warum nutzt Dörr eine selbst entwickelte App?
Sein Betrieb liegt in einer sensiblen Naturschutzregion mit vielen Auflagen. Die App hilft, diese Vorgaben im Alltag effizient und regelkonform umzusetzen.
Was bringt ein virtueller Assistent auf dem Hof?
Er liefert schnell Informationen zu gesetzlichen Vorgaben oder Förderbedingungen – direkt aufs Handy. Das spart Recherchezeit und sorgt für rechtssicheres Arbeiten.