Auf dem landwirtschaftlichen Betrieb der Familie Siebers in Kleve werden neben 16.500 Puten täglich rund 1350 Milchkühe und Kälber versorgt. Unter den Rindern befinden sich sogar zwei Berühmtheiten
Connie war drei Jahre alt, als sie vom Fernsehen entdeckt wurde. Sie gehörte zum Team der „Superkühe“, einem 30-tägigen WDR-Projekt, das 2017 in verschiedenen Sendungen ausgestrahlt wurde und die ganze Palette der Milchgewinnung darstellte. „Neben unserem TV-Star haben wir aber auch noch eine Schönheitskönigin vorzuweisen“, erzählt die Agraringenieurin. Wachs war so wunderschön, dass die Siebers‘ mit ihrer Kuh durch Deutschland fuhren und auf Ausstellungen präsentierten. „Ihr schwarz-weißes Fell glänzte wie Samt und ihre großen dunklen Augen waren von dichten Wimpern umgeben“, erinnert sich die zweifache Mutter aus Nordrhein-Westfalen.
„Wir haben nicht mehr sehr viele Landwirte in Deutschland. Sie und ihre Arbeit sollten wertgeschätzt werden. Nur so können wir auch langfristig noch deutsche Lebensmittel herstellen und auf die Produktionsmethoden Einfluss nehmen.“
Frisches Futter direkt vom Acker
Solche liebevollen Anekdoten gehören zum Alltag des Betriebes, auf dem um 4.15 Uhr die erste Schicht im Kuhstall beginnt und die letzte um 1 Uhr in der Früh endet, nachdem die Melkeinrichtung fachmännisch gesäubert wurde. Dreimal täglich ist das Melkkarussell auf dem Hof der Familie Siebers im Einsatz, auf dem jeweils 50 Kühe je Melkvorgang Platz haben. Zusätzlich zu den 1350 Kühen und Kälbern, die die Familie selbst züchtet, kommen 16.500 Puten, die in beheizten Ställen hinter dem Wohnhaus untergebracht sind.
Das meiste Futter stellt die Familie auf ihrem 400 Hektar großen Land her: Silomais, Ackergras und Getreide. Rapsschrot, Maismehl und Pressschnitzel wird zugekauft.

Judith Siebers ist Agraringenieurin und führt den Familienbetrieb in Kleve mit Fokus auf Tiergesundheit, Kreislaufwirtschaft und moderne Landwirtschaft.
„Wir können Einfluss darauf nehmen, wie wir in Deutschland Lebensmittel produzieren“
Öko-Energie zum Verkauf und für den Eigenverbrauch
„Um den Rinder- und Putenmist umweltschonend und umweltnutzend zu Energie zu verarbeiten, haben wir eine Biogasanlage errichtet. Den produzierten Öko-Strom verkaufen wir, während wir die Wärme für unsere Gebäude verwenden“, sagt die Landwirtin. Die nährstoffreichen Gärreste aus der Biogasanlage werden auf den Feldern verteilt. „Das spart mineralischen Dünger.“
Die luftigen Hallen mit trittsicherem Boden bieten jeder Milchkuh eine 10 qm große Liegefläche, das sind über 250 Prozent mehr, als die Tierwohlklasse 3 vorschreibt. „Ich verstehe vielfach die Kritik der Verbraucher an den Landwirten nicht. In Nicht-EU-Ländern werden ganz andere Medikamente oder Pflanzenschutzmittel eingesetzt als bei uns. Wir haben nicht mehr sehr viele Landwirte in Deutschland. Sie und ihre Arbeit sollten wertgeschätzt werden. Nur so können wir auch langfristig noch deutsche Lebensmittel herstellen und auf die Produktionsmethoden Einfluss nehmen“, mahnt die Landwirtin.

Gesundheit geht vor
Acht Millionen Liter Milch pro Jahr geben ihre Kühe. „Tiergesundheit setze ich mit Tierwohl gleich. Eine gesunde Kuh fühlt sich automatisch wohl. Je gesünder sie ist, desto länger gibt sie Milch“, sagt Judith Siebers. Wie bei einem Fitnesstracker zeichnen Sensoren im Halsband die Gesundheitsdaten jedes einzelnen Tieres auf. „Dadurch können wir prüfen, ob sie sich zum Beispiel genug bewegen oder ihre Kauleistung ausreichend ist. Das sind alles Anzeichen für eine beginnende mögliche Krankheit. So können wir präventiv reagieren.“
Bereits nach der Geburt werden den Kälbern Gewebeproben entnommen. „Daraus können wir ablesen, wie sich ihre Füße entwickeln, ob es ein großes Tier wird und sogar wieviel Milch es geben wird. Das sind wichtige Informationen, die wir für die Züchtung auswerten“, sagt die Agraringenieurin. „Bei uns kalbt eine Kuh im Alter von zwei Jahren zum ersten Mal. Die Kälber und Jungtiere sind in einem Stall hinter unserem Wohnhaus untergebracht.“ Dort liegen sie nebeneinander in Einzelboxen auf Stroh, bis sie in die Gruppe der Jungtiere umziehen. Später geht es in die große wettergeschützte Halle, wo sie nach der ersten Kalbung als Milchkühe im Einsatz sind.
Auch in Zukunft konzentriert sich der Betrieb darauf, seine Tiere bestmöglich zu versorgen und Arbeitsprozesse intern zu optimieren. Auch ein neues Anbaujahr beginnt auf dem Acker. „Es bleibt wie immer spannend”, resümiert Judith Siebers.