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Wetterdaten vom Acker

Von Forum Moderne Landwirtschaft e.V.

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Über 600 Wetterstationen wurden in einer Kooperation zwischen der Vereinigten Hagel und dem bekannten Meteorologen Jörg Kachelmann in den letzten zwei Jahren bundesweit errichtet. Mithilfe der gesammelten Daten können Landwirte ihre Arbeitsabläufe und Entscheidungen präziser auf das Wetter abstimmen.

Folgen des Klimawandels in der Landwirtschaft

„September warm und klar, verheißt ein gutes nächstes Jahr“ oder „viel Nebel im November, viel Schnee im Winter“: Bauernregeln klingen altmodisch, basieren aber auf langjährigen Beobachtungen, die über Generationen gesammelt und weitergegeben wurde. Auch heute ist kein anderer Berufszweig so abhängig vom Wetter wie die Landwirtschaft. Mehr als 500 Millionen Euro Schaden entstehen den Betrieben jährlich durch Hagel, Sturm, Starkregen, Dürre oder Frost – Tendenz steigend! Allein 2018 führte die extreme Trockenheit in Deutschland zu Ernteeinbußen in Höhe von über drei Milliarden Euro. „Der Klimawandel ist mit schuld an diesen schweren Verlusten. Im letzten Winter hatten wir plötzlich Temperaturen von unter minus 25 Grad in einigen Regionen, während es in den Jahren zuvor extreme Dürreperioden gab“, sagt Thomas Gehrke, Vorstandsmitglied der Vereinigten Hagel. Er liefert weitere Beispiele: „Raps ist kurz vor der Ernte besonders empfindlich gegen Hagel, sodass die Schoten mit den Körnern aufplatzen können. Innerhalb weniger Minuten kann somit die Arbeit eines ganzen Jahres vernichtet werden“, sagt der Manager. Auch Starkregenereignisse können bei frisch ausgesäten Kulturen zu einem Abschwemmen der Saat führen, oder wenn Kirsch- und Apfelbäume früher blühen und ein plötzlicher Kaltlufteinbruch das Thermometer unter null Grad sinken lässt, kann das für Obstbauern den Totalverlust bedeuten, da die Blüte erfriert und sich keine Frucht am Baum bildet.

Risikomanagement

Exakte regionale Wettervorhersagen unterstützen die Landwirte dabei, Ernteverluste durch richtige unternehmerische Entscheidungen abzumildern oder sogar ganz zu vermeiden und gleichzeitig nachhaltiger zu agieren. Das heißt, gezielt Flächen zu befeuchten oder die Frostberegnung im Obstbau einzuschalten, wenn es erforderlich ist. Auch Hagelnetze aufzuspannen, bevor die ersten Körner fallen, gehört zu den Beispielen für aktives Risikomanagement.

Wetterbestimmung

Zur lokalen Wetterbestimmung sind valide Daten notwendig, die nach wissenschaftlichen Standards verlässlich gemessen werden. „Auf dieser Grundlage können passgenaue Versicherungslösungen zum Beispiel gegen Dürre entwickelt werden“, so der Versicherungsexperte. Um die Genauigkeit von lokalen Wettervorhersagen zu steigern, kooperieren die Vereinigte Hagel und Jörg Kachelmann seit mehr als zwei Jahren und gründeten mittlerweile ein Tochterunternehmen. Gemeinsam bieten sie Wetterstationen an verschiedenen Ausführungen an. Dabei sind die Mastsysteme mit leistungsstarken Sensoren und Messgeräten ausgestattet, die über Funk mit dem Internet verbunden sind und Daten über Temperatur und Luftfeuchtigkeit, Niederschlag sowie Windparameter bis hin zur Bodentemperatur und Blattfeuchte sammeln. Die von den Stationen ermittelten Wetterdaten werden dem Nutzer in Echtzeit über eine App zur Verfügung gestellt.

 

Lokale Wetterstationen

Der Vorteil lokaler Wetterstationen: Wenn die Wetterstation 18 Monate lang störungsfrei Daten geliefert hat, fließen ihre Ergebnisse auch in die eigene, lokale Wetterprognose ein. „Wir haben in den letzten Jahren mehrfach feststellen müssen, dass unsere vor Ort begutachteten Schadereignisse nicht mit öffentlich zugänglichen Wetterdaten übereinstimmten. Das liegt daran, dass diese nur großflächig erhoben werden und kleinräumige Extremereignisse unter dem Radarschirm durchrutschen. Hobbylösungen sind sogar noch weniger verlässlich und aussagekräftig“, erklärt Gehrke. „Deshalb haben wir zusammen mit Herrn Kachelmann nach Lösungen gesucht und die Meteosol-Wetterstationen entwickelt. Neben der Landwirtschaft sind inzwischen immer mehr Organisationen und Behörden daran interessiert. Damit kommen die gemessenen Daten nicht nur der Landwirtschaft, sondern der ganzen Gesellschaft zugute“, sagt Gehrke. Kleine Wetterstationen sind relativ günstig und befinden sich im drei- bis vierstelligen Bereich.

Wartungsarbeiten an den Wetterstationen

Die Landwirte kontrollieren und reinigen regelmäßig die Regenmesser oder halten die bodennahen Temperaturen der kleinen Wetterstationen frei. „Die kleinen Wartungsarbeiten sind für die Landwirte eine Selbstverständlichkeit, da ihnen die Genauigkeit ihrer Daten wichtig ist, damit sie besser und frühzeitiger auf Wetterveränderungen reagieren können“, so Gehrke. Darüber hinaus laufe vor der Installation der Wetterstation ein Kontrollprozess ab, bei dem ermittelt wird, ob der Standort passt. Sobald eine Wetterstation ans Netz gegangen ist, werden die gemessenen Daten laufend einer Kontrolle unterzogen und fehlerhaft gemessene Werte identifiziert. Über 1000 weitere lokale Wetterstationen sollen im kommenden Jahr bundesweit errichtet werden. Die Landwirtschaft liegt im Trend: Mit den lokalen Wetterstationen überführen die modernen Landwirte die traditionellen Bauernregeln in das digitale Zeitalter.

meteosol Wetterstation

meteosol Wetterstation PRO PLUS

 

Tags: Innovation/Digitalisierung, Pflanze

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