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Innovatives Stallkonzept für mehr Tierwohl

Landwirtin aus Leidenschaft

Forum Moderne Landwirtschaft e.V.

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Seit 2017 führt Gesa Langenberg in 14. Generation den Hof ihrer Familie. Ein Traumjob, der die 33-Jährige täglich vor neue Herausforderungen stellt

Die Liebe zur Landwirtschaft wurde Gesa Langenberg buchstäblich in die Wiege gelegt. Auf dem Bauernhof ihrer Eltern ist die studierte Agrarwissenschaftlerin als jüngste von drei Schwestern aufgewachsen. Vor fünf Jahren übernahm sie den über 450 Jahre alten Familienbetrieb.

 

„Meine beiden älteren Geschwister haben sich für eine Zukunft in der Stadt entschieden. Weil ich immer gerne auf dem Land gelebt habe, ergriff ich die Chance, die Tradition unseres Hofs fortzuführen“, erklärt die Landwirtin und Mutter zweier kleiner Kinder.

 

Gemeinsam mit ihrem Mann Josef, vier Mitarbeitern und einem Auszubildenden bewirtschaftet die 33-Jährige den Hof im niedersächsischen Bockstedt. Neben dem Anbau von Kartoffeln, Weizen, Roggen, Hafer, Gerste, Mais, Raps und Zuckerrüben ist der landwirtschaftliche Betrieb auf Schweinemast spezialisiert.

 

Dieser Beruf ist einzigartig

Als Landwirtin zu leben und zu arbeiten ist für Gesa Langenberg ein Traumjob. „Mein Beruf ist einzigartig, weil er so viele unterschiedliche Facetten und Herausforderungen mit sich bringt. Kein Tag ist so wie der andere.“ Ob am Schreibtisch, mit den Tieren im Stall oder in der Natur auf den Feldern, es gibt jede Menge Arbeit, aber auch jede Menge Abwechslung.

 

„Ich bin Landwirtin und Unternehmerin in einer Person. Dadurch habe ich die Freiheit, unabhängig zu agieren und meine eigenen Ideen umzusetzen“, beschreibt die Landwirtin die Vorteile der Selbstständigkeit.

 

 

Erster weiblicher Chef auf dem Hof

Sie ist in der jahrhundertealten Familiengeschichte die erste Frau, die die Verantwortung für den Hof trägt. Gesa Langenberg zählt zu den wenigen Betriebsleiterinnen in der deutschen Agrarszene. Immer noch wird hierzulande nur jeder neunte landwirtschaftliche Betrieb von einer Frau geleitet.

Obwohl die Bewirtschaftung eines Hofs eine körperlich sehr herausfordernde Aufgabe ist, können Frauen diese dank modernster Technik genauso gut bewältigen wie ihre männlichen Kollegen, findet Gesa Langenberg.

 

„Durch den sehr hohen Fortschritt in der Landtechnik ist die körperliche Arbeit nicht mehr so anstrengend wie früher. Aber ich muss zugeben, dass es Situationen gibt, in denen ich an meine Grenzen komme. Dann ist es gut, dass ich Männer auf dem Hof habe, die mich dabei unterstützen“, räumt die Landwirtin ein, die sich seit 2017 zusätzlich zu ihrem Beruf ehrenamtlich als Agrarscoutin engagiert.

 

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Abwechlungsreich Vom Stall auf den Traktor, kein Arbeitsalltag von Gesa Langenberg gleicht dem anderen

 

Gut vereinbar mit Familie und Kindern

Auch Kinder und Familie lassen sich gut mit dem Beruf der Landwirtin vereinbaren. Vieles wird durch das Hofleben erleichtert – von der verlässlichen Betreuung bis zur Freizeitgestaltung.

Wenn Kinder auf einem Hof groß werden, ist immer jemand da, der auf sie aufpasst und für sie da ist. Die Kreativität wird ebenfalls durch die abwechslungsreiche Umgebung gefördert. Langweilig wird es nie. Es gibt hier immer etwas zu entdecken“, erklärt Gesa Langenberg, die Ende 2022 ihr zweites Kind bekam.

 

Wohlergehen der Tiere kontrollieren

Tiere und Umwelt nachhaltig zu schützen und dadurch gesunde Lebensmittel der Region herzustellen, ist ihr Ziel. Als Nutztierhalterin trägt Gesa Langenberg eine große Verantwortung. Das Wohlergehen der 3800 Schweine, die auf dem Hof leben, liegt der Landwirtin sehr am Herzen.

 

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Genau geregelt: 120 Tage lang leben die Tiere auf dem Hof, bis sie das Schlachtgewicht von
120 Kilogramm erreicht haben

 

Zweimal täglich wird eine sogenannte Tierkontrolle in den insgesamt sechs Ställen durchgeführt.

„Mehrere Stunden lang gehen meine Mitarbeiter und ich durch die Stallungen und schauen, ob es jedem Tier gut geht.“

Sehen, fühlen, riechen, hören, Gesa Langenberg setzt bei ihren Rundgängen alle Sinne ein. Bereits an den Augen und am Grunzen kann sie erkennen, ob sich ein Schwein „sauwohl“ fühlt oder ob es Hilfe benötigt. „Viele Verbraucher glauben irrtümlich, dass Schweine mit Antibiotika ,vollgepumpt‘ werden. Das ist keineswegs so! Wenn ein Tier einmal krank sein sollte, erfolgt die Behandlung in sehr enger Absprache mit dem Tierarzt“, betont die Schweinemästerin. Antibiotika werden nur im Ausnahmefall verabreicht und auf gar keinen Fall prophylaktisch.

 

 

 

Mehr Tierwohl durch innovatives Stallkonzept

Mit einem innovativen Stallkonzept will Gesa Langenberg den Wünschen der Verbraucher nach mehr Tierwohl gerecht werden. Dafür hat sie einen Altstall mit Platz für 400 Schweine aufwendig umgebaut.

 

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Neuer Offenstall: Den Schweinen werden verschiedene Funktionsbereiche angeboten. Die Tiere entscheiden selbst, ob sie ins Freie möchten

 

Das Besondere an dem neuen Stall der Haltungsform 4: Die Tiere haben doppelt so viel Platz in den eingestreuten Buchten, wie es gesetzlich vorgeschrieben ist. Außerdem können sie jederzeit selbst entscheiden, ob sie auf die Auslauffläche an die frische Luft gehen möchten. Dafür müssen die Schweine nur mit ihrer Rüsselscheibe die Klapptür nach draußen aufstoßen. Neben organischem Beschäftigungsmaterial wie Heu und Stroh gibt es sogar eine umweltschonende „Schweinetoilette“. Dafür wurde im Außenbereich des Stalls eine Extrafläche angelegt. Mithilfe eines ausgeklügelten Systems werden dort Kot und Harn automatisch voneinander getrennt. Ammoniakemissionen können so deutlich reduziert werden.

 

 

 

Das Mehr an Tierwohl hat einen hohen Preis

Mehr als 1000 Euro pro Mastplatz hat die Betriebsleiterin in den Umbau investiert.

„Mein Wunsch wäre es natürlich, alle sechs Stallungen umzubauen. Doch die Investitionskosten und das damit verbundene Risiko sind im Moment zu hoch, weil völlig unklar ist, wie sich die Nachfrage entwickeln wird, und es kaum staatliche Zuschüsse gibt“, erklärt Gesa Langenberg.

 

Rund 200 Euro erhält die Landwirtin derzeit für ein Schwein der Haltungsform 2. „Bei einem aktuellen Schweinepreis von 2,10 Euro pro Kilogramm Schlachtgewicht können wir die Kosten für die Tiere, die in den älteren Stallungen gehalten werden, gerade so decken. Für die Tiere im neuen Stall habe ich jedoch eine viel höhere Kostenstruktur.“

 

Eigene Konzepte für Vermarktung der Schweine 

Neben den Mehrkosten, unter anderem für den Ankauf der Ferkel, und den extrem gestiegenen Futter- und Energiepreisen macht auch die Vermarktung der Schweine Gesa Langenberg zu schaffen.

„Schweine der Haltungsform 2 kann man problemlos an die umliegenden Schlachthöfe abgeben. Bei den Schweinen der Haltungsklasse 4 sieht es anders aus. Hier bin ich selbst gefordert, neue Verkaufskonzepte zu entwickeln“, schildert Gesa Langenberg.

 

Bessere Kennzeichnung der Tierhaltung notwendig

Trotz aller Hindernisse ist die Landwirtin aus Leidenschaft zuversichtlich, dass die Tierhaltung in Zukunft immer nachhaltiger wird:

„Weniger Schweine, die auf einem höheren Niveau gehalten werden, das ist machbar.“

Die Betriebsleiterin setzt sich deshalb für eine einheitliche Haltungs- und Herkunftskennzeichnung ein, die sowohl im Supermarkt als auch in der Gastronomie verpflichtend gelten sollte. Bis es so weit ist, engagiert sich Gesa Langenberg weiter mit großem Einsatz und neuen Ideen für die Erzeugung von landwirtschaftlichen Produkten, die jeder mit gutem Gefühl genießen kann.

Tags: Tier

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