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Bodengesundheit

Wie die Saat, so die Ernte

Forum Moderne Landwirtschaft e.V.

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Auf gute Pflege kommt es an. Und auf die richtige Ernährung. „Diese Erkenntnisse treffen nicht nur auf Menschen und Tiere zu, sondern auch auf Böden und Pflanzen“, sagt Jan-Hendrik Rust. Der Leiter der Agrargesellschaft Sietow verantwortet unter anderem die Bewirtschaftung von 1450 Hektar Acker- und Grünland. Dabei werden vom Betrieb, der westlich der Müritz liegt, rund 950 Hektar Fläche konventionell und 500 Hektar ökologisch bearbeitet.

Auf die Fruchtfolge kommt es an!

Um für Böden und Pflanzen eine gesunde und nachhaltige Basis zu schaffen, ergreift Jan-Hendrik Rust unterschiedliche Maßnahmen. Dazu gehört die Einhaltung einer bestimmten Fruchtfolge. Das heißt, jedes Jahr wird eine andere Kultur auf den jeweiligen Feldern ausgesät. Insgesamt stellt sich die Fruchtfolge im Sietower Betrieb aus sechs verschiedenen Pflanzenarten zusammen, es sind die Winterkulturen Raps, Weizen, Gerste und die Sommerkulturen Lupinen, Zuckerrüben und Mais. Zusätzlich zu diesen Pflanzen versorgen sogenannte Zwischenfrüchte, in diesem Fall Mischungen aus Gräsern und Leguminosen, zwischen den Ernte- und Aussaatzeiten den Boden mit Nährstoffen beziehungsweise sie verhindern Nährstoffverluste.

„Würden wir nur Monokulturen anpflanzen, würde der Boden auslaugen“, erklärt Rust.

 

 

Alternative Bodenbearbeitung / Humusaufbau

Ob sandig oder tonhaltig, Böden gibt es in verschiedenen Qualitäten. Ein guter Boden zeichnet sich dadurch aus, dass er möglichst viel Wasser und Nährstoffe halten kann. Um die Bodenqualität des Sietower Betriebs zu verbessern, versucht Rust, den Humusgehalt der Flächen zu erhöhen. Denn Humus bildet den zentralen Lebensraum für Pflanzen, wo sie unter anderem mit Stickstoff oder Phosphor versorgt werden.

„Um das Bodenleben nicht zu zerstören, minimieren wir die Bearbeitungsintensität auf all unseren Flächen und handeln nach dem Prinzip, so wenig wie möglich, so viel wie nötig“, führt Rust weiter aus.

Gepflügt wird nur noch in Ausnahmefällen, stattdessen erfolgt eine pfluglose Bodenbearbeitung, auch Mulchsaat genannt. „Wir bemühen uns, unsere Felder ganzjährig zu begrünen, um Verdunstungen zu reduzieren und Wind- sowie Wassererosionen zu vermeiden.“ Die Böden werden regelmäßig gekalkt, um deren pH-Wert auf dem richtigen Niveau zu halten. Der Grund: Die Nährstoffe müssen in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander stehen, um eine optimale Versorgung der Pflanzen zu gewährleisten. Zur Kontrolle der Werte werden Bodenproben genommen.

 

Bild: Landwirt Jan-Hendrik Rust schafft für seine Böden und Pflanzen eine gesunde und nachhaltige Basis.

 

Die richtige Pflanzenpflege

Genauso umsichtig wie mit dem Boden geht Rust mit den Pflanzen um. „Pflanzen können ebenso wie Menschen in Stress geraten“, erklärt der 35-Jährige. „Deshalb muss man ihnen eine optimale Starthilfe geben, damit sie sich wohlfühlen.“ Das Wellnessprogramm beginnt bereits bei der Aussaat, ganz nach dem Motto „wie die Saat, so die Ernte.“ Weizenkörner beispielsweise werden mit der Drillmaschine in nur zwei bis drei Zentimeter Tiefe ausgebracht und mit Erde bedeckt. Würden sie tiefer ausgesät, müsste der Pflanzensprössling mehr Kraft aufbringen, um an die Oberfläche zu gelangen. Deswegen ist es wichtig, diesen Arbeitsvorgang sorgfältig zu kontrollieren. Auch der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln wird gering gehalten. „Eine fitte Pflanze kommt mit wenig Dünger und Pflanzenschutzmitteln aus. Zusätzlich versorgen wir unsere Pflanzen mehrmals im Jahr mit einem gesunden Vitaminmix aus Zink, Mangan und Kupfer“, erläutert Rust.

 

 

Ertragsdefizite im Ökoanbau

Auf den ökologisch bewirtschafteten Ackerflächen des Betriebs wird gänzlich auf Pflanzenschutzmittel verzichtet und nur organischer Dünger wie Kuhmist eingesetzt.

„Rund 250 Hektar davon nutzen wir als natürliches Grünland zur Heuproduktion und als Weidefläche für unsere Kühe. Die rund 230 Tiere sind das ganze Jahr über draußen.“

Der Rest der Ökofelder wird für den Anbau von Getreide und Wintererbsen genutzt. „Die Ernte wirft nur halb so viel ab wie beim konventionellen Anbau. Und wenn es kaum regnet, ist es noch weniger“, sagt der Betriebsleiter aus Mecklenburg-Vorpommern.

 

Herausforderungen in der ökologischen Landwirtschaft

Böden, die für den Ökoanbau genutzt werden, müssen erst einmal eine zweijährige Umstellungszeit durchlaufen. „In diesen 24 Monaten müssen die erzeugten Produkte als ,Umstellungsware´ auf dem Preisniveau konventioneller Produkte verkauft werden. Das ist hart“, sagt Rust. Die noch größere Herausforderung sei aber die Vermarktung.

„Die Verbraucher möchten zwar, dass wir ökologisch arbeiten, aber sie kaufen die Ökoprodukte kaum, weil sie ihnen zu teuer sind. Das ist schade. Vor allem, weil wir uns auf mindestens sechs Jahre festlegen müssen, wenn wir ökologischen Anbau betreiben wollen.“

Weitere Herausforderungen sieht er in manchen gesetzlichen Vorgaben. Ein Beispiel: „Wir dürfen nur bis Ende September düngen. Durch die Klimaveränderungen wachsen bei uns aber bis in den Dezember Nutzpflanzen. Nur dürfen wir ihnen dann keine Nährstoffe mehr zukommen lassen und verschenken dadurch Erträge.“

Auch die Wettbewerbsungleichheit auf dem internationalen Markt macht ihm zu schaffen. „Wir haben die höchsten Standards der Welt, verbunden mit entsprechend hohen Produktionskosten. Aber verkaufen sollen wir zu Weltmarktpreisen“, moniert er.

Neben den anderen Herausforderungen ist auch dies ein Grund für Rust, mit dem Parallelbetrieb von konventionellen und Ökoanbau weiter zu experimentieren – immer unter der Prämisse, Pflanzen und Böden gesund zu halten. Und so mit seinem Betrieb langfristig erfolgreich zu sein.

 

 

Tags: Pflanze, Nachhaltigkeit, Boden

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